Lebensansichten eines Huhns

Lebensansichten eines Huhns

26. August 2026 Hel Film

Lebensansichten eines Huhns ist eine tierische Tragödie von Regisseur György Pálfi und erzählt die Geschichte von einem eher ungewöhnlichen Außenseiter: einem schwarzen Huhn, das nicht genug für den Verkauf, aber immer noch gut genug für die Suppe zuhause sein soll. Doch während der Fahrt zum tödlich heißen Kochtopf kann das Huhn die Chance nutzen und entkommen. Schnell ist es den Reizen der hektisch gnadenlosen Welt ausgesetzt und findet letztlich verletzt in einem ehemaligen griechischen Küstenrestaurant bei einem alten Mann (Yannis Kokiasmenos) Unterschlupf.

Hier zeigt das Huhn schnell, was es für ein Dickkopf ist und will nicht nur um jeden Preis die eigenen Eier verteidigen, sondern auch frei sein und bricht immer wieder aus dem Hühnerstall aus. Zwangsweise kommt das Huhn dadurch mit den Mitbewohnern wie der Tochter (Maria Diakopanayotou) und ihrem kriminellen Freund (Argyris Pandazaras) in Kontakt, erlebt Abenteuer sowie stressige Situationen und stellt das Leben vom alten Mann erfrischend auf den Kopf.

Ja was denn nun?

Am Anfang ist es unklar, ob Lebensansichten eines Huhns einen dokumentarischen Ansatz verfolgt, oder doch eine fiktive Geschichte erzählen will. Die Art der Erzählweise gemischt mit für Dokumentationen typischen musikalischen Untermalungen verwirrt zuerst und lässt das Publikum fast schon ratlos zurück. Erst, wenn das Huhn beim alten Mann und seinem geschlossenen Fischrestaurant an der griechischen Küste ankommt, beginnt die Handlung, wodurch der Film in seinen ersten 20 bis 30 Minuten im Leerlauf steckt.

Doch ab da wird Lebensansichten eines Huhns spannend, konsequent, erzählt vom Freiheitsdrang sowie von Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Der Film zeigt, wie neu entfachte Lebensliebe aussieht, schreckt aber auch nicht von der täglichen Gewalt krimineller Organisationen sowie einem radikal konsequenten Ende zurück. Und auch, wenn die Lauflänge gerade einmal 96 Minuten beträgt, wäre wahrscheinlich ein Kurzfilm mit einer Länge von 40 bis 60 Minuten deutlich prägnanter und überzeugender gewesen.

Das Schauspiel mit dem Haken

Das Schauspiel der Darstellenden von Lebensansichten eines Huhns ist an sich grundsolide, hat aber sowohl nach oben, als auch nach unten keine herausragend großen Ausreißer, die auffallen wollen. Doch, da die Menschen letztlich nur die zweite Reihe der Handlung und der beobachtete Part sind, fällt dies nicht wirklich kritisch auf. Sie sind als Nebendarstellende zu betrachten und genau so verhalten sie sich: Unauffällig in ihrer Rolle. Entgegengesetzt steht das Huhn als Protagonistin. Dieses ist Auslöser sowie Beobachter diverser Ereignisse und wird mit Fortlaufen der Story im eigenen Handeln immer menschlicher dargestellt, wodurch der anfängliche Doku-Touch komplett verschwindet.

Das Huhn selbst wurde nach Interview mit dem Regisseur von acht verschiedenen Hühnern verkörpert und man sei stolz darauf, dieses nie mit CGI inszeniert zu haben. Zwar gibt es Momente, in denen klar CGI ergänzend zum Einsatz kommt, bei anderen Momenten von Lebensansichten eines Huhns wirkt das Geschehen echt und man wünscht sich in dem Moment, dass das Huhn Animatronik oder CGI wäre. Denn ein Huhn ist ein Tier und kein Mensch. Es versteht nicht, wann etwas ein Schauspiel und wann echt ist. So herausragend, wie diese Tiere hier performen und dargestellt werden: Der Stress des Huhns wirkt so überzeugend, da dieser eben echt ist.

Die Lebensansichten eines Huhns

Optisch sieht der Film fantastisch aus und profitiert von einer kreativen Kameraarbeit von Giorgos Karvelas, die es so wirken lässt, dass Lebensansichten eines Huhns komplett aus der Perspektive des Huhns erzählt wird. Dadurch wirkt das Huhn deutlich nahbarer, wodurch Momente wie das Leid, wenn der alte Mann das Ei klaut, unter die Haut gehen. Der Film zeigt, auch wenn es menschlich inszeniert wird, treffend auf, dass ein Huhn ein emotionales Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen ist.

Fazit

Lebensansichten eines Huhns kann überzeugen und die acht Hühner, die den Star des Films verkörpern, perfekt in Szene setzten. Dennoch ist fraglich, ob der Film nicht vielleicht als Kurzfilm besser funktioniert hätte und ob manche Szenen nicht vielleicht auch mit einer Animatronik funktioniert hätten. Doch, wer aus dem gewohnten Sehgefühl ausbrechen und Menschen in der zweiten Reihe der Story erleben will, kommt an Lebensansichten eines Huhns nicht vorbei.

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