Girls Like Girls ist eine lesbische Coming-Of-Age Liebesgeschichte von der Drehbuchautorin und Regisseurin Hayley Kiyoko und basiert auf ihrer gleichnamigen Hit-Single sowie ihrem gleichnamigen Bestseller-Roman. Der Film erschien in den USA bereits am 19. Juni 2026. Ein deutscher Kinostart war erst gar nicht geplant, aber ab dem 20. August 2026 gibt es in vereinzelten Vorstellungen in Deutschland, von denen zumindest die in Berlin zuverlässig ausgebucht und das Kinofenster für Girls Like Girls verlängert wurde.
Es ist der Sommer 2006. Die siebzehnjährige Coley (Maya da Costa) zieht nach dem tragischen Tod ihrer Mutter zu ihrem entfremdeten Vater Curtis (Zach Braff) in die ländliche Region Oregon. Alleine und ohne Freunde zieht Coley mit dem Fahrrad durch die Straßen, lernt aber in einem Restaurant Sonya (Myra Molloy) kennen, die Coley zu einer Party an Strand mit Leuten wie Trenton (Levon Hawke), Alex (Alozie LaRose) und SJ (Sierra Sidwell) einlädt. Schnell funkt es zwischen Coley und Sonya, doch Coleys erste große Liebe hat nicht nur Höhen und Tiefen, sondern sorgt dafür, dass sich die Siebzehnjährige neu kennen lernt.
Die Achterbahnfahrt des Teenielebens
Girls Like Girls geht mit der Thematik der lesbischen Identität, dem damit verbundenen anders sein sowie der Unwissenheit, wohin man jetzt eigentlich gehört, treffend um und verbindet dabei die eigene Identität von Coley glaubhaft mit den emotionalen Wellen der ersten jugendlichen Liebe sowie dem zutiefst gespaltenen Verhältnis zum Vater, der sich seiner Rolle als Erziehungsperson zu spät bewusst wurde. Der Film schafft dabei eine angenehme Aufteilung, in der alle Themen eine gerecht aufgeteilte Betrachtung und vereinzelt sogar eine Verbindung untereinander erfahren, bleibt sich und seiner Identität dabei aber immer treu.
Girls Like Girls lädt durch seine queere Thematik sowie der Art, wie die Charaktere geschrieben sind, zum Lachen, zum Weinen, aber auch zum Mitfühlen sowie Mitfiebern ein. Gerade, wenn man zur queeren bzw. lesbischen Community gehört, wird Hayley Kiyokos Film in diversen Momenten zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle und fühlt sich dank seiner überschaubaren Lauflänge von 94 Minuten keineswegs zu lang an. Jedoch fehlen dem Film die krassen dramatischen Momente der Romanvorlage. Konfliktsituationen haben oft nicht genug Biss, wodurch Girls Like Girls zwar seine Talfahrten behält, der romantische Kitsch in entscheidenden Momenten aber oft die Oberhand behält.

Wenn Blicke mehr als tausend Worte sagen
Dass Girls Like Girls so emotional mitreißen kann, liegt nicht zuletzt am Schauspiel. Gerade die Dynamik zwischen Maya da Costa als Coley und Myra Molloy als Sonya ist bemerkenswert und wirkt fast zu jeder Zeit täuschend echt. Gerade, wenn sich die unsicher verliebten Blicke der beiden Darstellerinnen treffen, scheinen sich die Blickkontakte ganze Lebensgeschichten zu erzählen und die Luft scheint merkbar elektrisch zu knistern. Diese Dynamik trägt den Film emotional stark voran und versteht sich als logischer Anker der Handlung von Girls Like Girls.
Auch, wenn die Protagonistinnen das Highlight von Girls Like Girls sind, geht das Schauspiel der anderen Darstellenden nicht unter. Auch, wenn diese nur Nebencharaktere sind, können besonders Zach Braff als der Vater, Alexa Mareka als Verkaufsaushilfe Blake, aber auch Levon Hawke als nervig toxischer Love-Interest von Sonya in wichtigen Momenten überzeugen, die nicht nur die Handlung, sondern auch die charakterliche Entwicklung der Protagonistin Coley vorantreiben.

Schluss mit Male Gaze
Visuell kann Girls Like Girls begeistern und überzeugt mit einer ruhigen, aber aussagekräftigen Kameraarbeit von Sonja Tsypin sowie angenehm warmen Farben, die das sommerliche Ambiente treffend transportieren. Gerade in den intimen Momenten hat die Arbeit von Sonja Tsypin großes Lob verdient, da vollkommen auf den Male Gaze verzichtet wird. In diesen besonderen Momenten bleibt die Kamera nah, zeigt nie zu viel und konzentriert sich ausschließlich auf weibliche Bedürfnisse. Aber alles andere wäre bei Girls Like Girls auch konsequent zu kritisieren.
Und auch audiovisuell kann Girls Like Girls auf ganzer Linie überzeugen. Die mal kitschigen und mal emotional aufwühlenden Dialoge werden jederzeit musikalisch treffend untermalt. Die Songauswahl neben dem namensgebenden Song Girls Like Girls passt jederzeit wie die Faust aufs Auge und wird zu keiner Zeit inflationär oder gar aufdringlich eingesetzt. Hier harmonieren Musik, Emotionen und Bild jederzeit im Einklang.

Fazit
Ich kann mich nicht erinnern, wann mich ein Film zuletzt emotional so sehr mitgerissen hat, wie Girls Like Girls es vermag. Der Film schafft die perfekte Balance zwischen Coming of Age, Dramatik, Humor, lesbischer Identität, Romantik und Trauer. Lediglich einzelne Szenen hätten mehr Biss und das kleine Bisschen mehr Konfrontation vertragen können. Es ist wirklich eine angenehme Überraschung, dass Universal entgegen aller Erwartungen Girls Like Girls in die deutschen Kinos gebracht hat.