Oldboy ist von Park Chan-wook (u.a. Die Frau im Nebel, No Other Choice, Die Taschendiebin) aus dem Jahr 2003 und basiert lose auf dem gleichnamigen Manga von Garon Tsuchiya sowie Nobuaki Minegishi. Im Rahmen der Best-of-Cinema Reihe wurde der moderne Klassiker erneut in den deutschen Kinos gezeigt.
Der gescheiterte Geschäftsmann Dae-su (Choi Min-sik) wurde entführt und für fünfzehn Jahre in einer Umgebung eingesperrt, welche an ein günstiges Apartment erinnert. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist der Fernseher: Für Dae-su ein Gott und Lehrmeister zugleich. Als er eines Tages mit Anzug sowie Geld in Freiheit aufwacht, schwört sich Dae-su mit Unterstützung von Mi-do (Kang Hye-jeong), den Verantwortlichen zu finden. Dabei wird schnell klar, dass seine Zelle nur größer geworden und das sadistische Spiel des Täters längst nicht vorbei ist.
DER GRAF VON MONTE OLDBOY
Oldboy bietet eine fesselnde Rachegeschichte, welche Dae-su (Choi Min-sik) und Lee Woo-jin (Yoo Ji-tae) in den Mittelpunkt stellt. Es ist nie ganz ersichtlich, wer gerade die Oberhand behält, oder mehr Asse in der Hand hat. Der Film gleicht einer Mischung aus einem Schachspiel und einer professionellen Pokerrunde, in der Karten gezielt ausgelegt oder als Bluff genutzt werden, wodurch Rezipienten vereinzelt den Vergleich zum französischen Der Graf von Monte Christo (2025) ziehen.
Park Chan-wook liebt es, das Publikum von Oldboy an der Nase herum zu führen, falsche Fährten zu legen, das schier Offensichtliche direkt vor den Zusehenden zu verstecken und mit einem radikal-konsequenten Ende zu schocken. Trotz einer Lauflänge von fast zwei Stunden tritt zu keiner Zeit Langeweile auf. Der Regisseur ist ein Meister seines Fachs und weiß, wie eine fesselnde Geschichte mit Spannung inszeniert werden muss.
Vorbild moderner Action
Diese Spannung wird in Oldboy von der Action untermauert. Diese wird dezent eingesetzt, kann dafür jedoch knallend überzeugen und bleibt auch noch Tage später im Gedächtnis. Jeder Schlag sitzt wuchtig, dank der Kameraarbeit von Chung-hoon Chung gibt es kreative, überschaubare Bilder und die Rezipienten erkennen in diversen Actionszenen von Oldboy eine weitere Vorlage für die Action von John Wick.
Oldboys Highlights sind die Schnitte, clevere Zooms sowie kreativen Szenenübergänge. Park Chan-wook schafft eine Magie, die in Hollywood vermehrt sehnsüchtig vermisst wird. Doch auch der koreanische Kultregisseur lässt in dieser Form der Magie vermehrt nach. Die Frau im Nebel und No Other Choice waren zwar immer noch kreativ, reichen aber an die kreative Finesse von Oldboy nicht mehr heran.
Fazit
Oldboy hat sich seinen Ruf als moderner Klassiker zurecht verdient und bietet eine perfekte, konsequente Rachegeschichte, in der Park Chan-Wook seine Charaktere jederzeit treffend präsentiert. Die Kreativität des Films ist ein Segen, der vermehrt vermisst wird. Noch Tage später denken die Rezipienten über die Handlung, die Bilder und die Charaktere nach. Oldboy das erste Mal auf einer großen Leinwand erleben zu dürfen, war eine Ehre. Es ist schön anzusehen, dass es die Best-of-Cinema Reihe gibt. Hoffentlich bleibt diese nicht nur lange bestehen, sondern kann weiter wachsen.