The Beekeeper ist ein Rache-Actionfilm mit Jason Statham in der Hauptrolle und wurde von dem Regisseur David Ayer inszeniert, welcher durch Filme wie Herz aus Stahl, Training Day, aber auch zuletzt A Working Man bekannt ist. Der Film über den Bienenzüchter, welcher aber zugleich in einem geheimen Regierungsprogramm war, soll in direkter Konkurrenz zu Actiongiganten wie John Wick stehen, weshalb gezielt auf blutige Szenen, etliche Kills und eine FSK-18-Freigabe hingearbeitet wurde.
Doch ob der schweigsame Jason Statham mit Josh Hutcherson als Antagonisten gegen Keanu Reeves als ehemaligen Auftragskiller mithalten kann, bleibt fragwürdig, was nicht einmal an den britischen Schauspieler, sondern an der Vita des Regisseurs liegt. Training Day war ein Glücksgriff, während Filme wie Herz aus Stahl oder Bright wenn eher als Guilty Pleasure durchgehen und David Ayer zudem Maga-nahe Tendenzen aufweist.
Ein Hoch auf deutsche Synchro
Gerade in dem Synchronverwöhnten Land Deutschland wird oft diskutiert, ob Filme in der Originalversion oder Synchronfassung genossen werden sollten. Die Argumente beider Seiten sind von hörbaren Emotionen, veränderten Kontext bis zu Synchron als eigene Kunstform plausibel und nachvollziehbar. Gerade der veränderte Kontext trifft auf The Beekeeper zu, was jedoch ein positives Argument für die deutsche Synchronfassung ist.
Während sich die englischsprachige Originalversion von The Beekeeper bitterernst nimmt und staubtrocken ist, ist die deutsche Synchronfassung von Björn Schalla locker, humorvoll und stellt die Antagonisten amüsant kritisch, aber auch treffend dar. Die deutsche Fassung schafft einen Film, der dank Selbstironie deutlich eher genossen werden kann, auch wenn Charaktere wie der Söldner Pettis (Michael Epp) unpassend klingen, obwohl sich der Darsteller selbst synchronisiert.
Hang zur Überdramatik
Obwohl sich der O-Ton von The Beekeeper bitterernst gibt, passt das Schauspiel der Darstellenden mit seinen Overacting-Elementen sowie die Welt des Films deutlich besser zur deutschen Synchronfassung. Josh Hutcherson und David Witts verkörpern die überdrehten NFT-Cryptobros perfekt und wirken wie eine treffende Karikatur der Twitter-Incels, welche sich als Könige der Welt betrachten.
Währenddessen überzeugt Jason Statham mit seiner gewohnt soliden Performance, sticht aber nicht plötzlich heraus. Er überzeugt, macht Spaß, bringt ein paar coole Sprüche und schaut grimmig herein. Es ist genau das, was das Publikum von Jason Statham erwartet. Keine Oscarleistung, aber solides Actionhandwerk.
Keine Waffen
Als The Beekeeper herauskam, hatte der Film im Actiongenre mit Filmen wie John Wick: Kapitel 4 oder Mission: Impossible – Dead Reckoning sehr starke in den Kinos. David Ayer war sich scheinbar bewusst, dass sein Film mit den Choreografien der genannten Konkurrenz schwer mithalten kann, hat aber dennoch versucht, unnötige Schnitte zu vermeiden. Auch, wenn Jason Statham nicht mehr an seine Leistung aus The Transporter oder Crank herankommt, darf der Brite immer noch zeigen, was er kann und Rezipienten können jederzeit klar erkennen, was passiert.
Alt-Right?
Die Story von The Beekeeper ist mit ihren Logiklöchern und offen gelassenen Fragen so hohl wie ein Schweizer Käse. Der Film will intelligent klingen, hat aber keine Antworten auf seine pseudophilosophischen Fragen, wodurch es zu fremdschämenden Lachern kommt. Gleichzeitig kann bei der häufigen Erwähnung von Bienen und dem Vergleich der Gesellschaft mit einem Bienenstock ein Trinkspiel gestartet werden. So gut wie jeder zweite Satz von Jason Statham beinhaltet Bienen, was zwar ein amüsantes Erlebnis, jedoch keine tiefe Charaktereigenschaft bietet.
Doch so spaßig The Beekeeper ist, muss bedacht werden, dass David Ayer mit der Story das Narrativ der Verschwörungstheorien von Alt-Right und Q-Anon übernimmt und demokratische Präsidenten kritisiert. Der Staat hat selbstredend überall seine Finge im Spiel, kontrolliert alles und schaut gezielt weg. Institute wie das FBI werden als liberale Schergen mit Schadenfreude inszeniert. Doch wenn auf die aktuelle Lage der USA geschaut wird, finden sich viele der kritisierten Dinge dank Trump – Ayers Held der USA – in der Realität wieder. Wenn das Thema nicht so ernst wär, wär die Tatsache bitter ironisch.
Fazit
The Beekeeper versucht zwar, Narrative rechter Verschwörungstheorien zu bedienen, setzt diese jedoch plump sowie offensichtlich um und ist dank der aktuellen Politik schlecht gealtert, wodurch das Publikum sich der Verschwörungsnarrative schnell bewusst wird und diese ausblenden kann. Denn trotz dieser Narrative und der Tatsache, dass Jason Stathams Bienenprügler nicht an Konkurrenz der letzten Jahre heranreicht, bietet der Film in der deutschen Synchronfassung genug Spaß, um von einem stressigen Tag herunterzukommen und hebt sich damit deutlich von David Ayers letzten Film A Working Man ab.