Bei den Backrooms handelt es sich um ein Creepypasta Internetphänomen, welches seinen Ursprung in einem Bilderpost in 2019 wiederfindet und mit eintönigen, menschenleeren sowie schier unendlichen Labyrinthen seine Aufmerksamkeit schnell auf sich zog. Infolge dazu haben viele Menschen im Internet die Mythen wachsen lassen, neue Welten sowie Kreaturen in den Backrooms und diverse Videospiele zu dem Mythos geschaffen. Seit 2022 hat der damals 16-Jährige Kane Parsons auf seinem Youtube-Kanal Kane Pixels die Webserie Backrooms veröffentlicht.

Mittlerweile hat sich Kane Parsons mit dem Filmstudio A24 zusammen gesetzt und durfte mit einem Budget von gerade einmal Zehn Millionen Dollar seine eigene Version der Backrooms für Hollywood realisieren. In diesem leitet der gescheiterte Architekt Clark (Chiwetel Ejiofor) relativ erfolglos ein Möbelhaus, bis er eines Tages eine versteckte Tür in der Wand in seinem Keller findet, welche in eine andere Dimension zu führen scheint. Nachdem seine Therapeutin Mary (Renate Reinsve) ihm nicht die Schilderung seiner Entdeckung glaubt, will Clark mit seiner Mitarbeiterin Kat (Lukita Maxwell) und deren Freund Bobby (Finn Bennett) Beweise für die Backrooms sammeln.
Back to the 90s
Backrooms spielt in den 90er Jahren und fängt das Setting treffend ein. Der Kleidungsstil schreit durch die Altersgenerationen hinweg 90er-Mode, wir erblicken die typisch kantigen, aber stilvollen Autos und die Autos sowie die Dekoration sind auch eine Zeitreise für sich. Gerade Bürogebäude oder weite Hallenräume wie das Möbelhaus von Clark spiegeln den Zeitgeist treffend wieder und wirken dabei zudem wie eine Version der Backrooms in unserer Realität.
Die namensgebenden Backrooms selbst sind in ihrem typisch gelblichen sowie monotonen Ton gehalten und überzeugen zudem mit einer abstrakten, aber auch kreativ ansprechenden Architektur, in der kein Raum dem Vorherigen gleichen will. Doch wirklich viel detailreicher lassen sich die Backrooms nicht beschreiben. Zumindest nicht, ohne diese sowie die Handlung zu spoilern und damit die Immersion zu nehmen. Es sind Orte, welche selbst erlebt werden müssen, um sie verstehen zu können.
Horrorklischee, aber…
Die Story selbst dient zwar fast ausschließlich dem Entdecken der Backrooms, kann aber dennoch von sich überzeugen und ist in sich selbst geschlossen logisch. Die Dialoge spiegeln das Szenario sowie die Stimmung wieder, die Charaktere verhalten sich für einen Horrorfilm selbst geschlossen logisch und machen eine glaubhafte Entwicklung durch, welche dafür sorgt, dass die Räume nicht zu repetitiv wirken. Nostalgiker können sich zudem freuen, da ein Teil der Entwicklungen auf Found-Footage-Passagen setzt, welche gut inszeniert sind und sich nicht hanebüchen anfühlen.
Renate Reinsve spielt gewohnt stark und kann von sich überzeugen. Während sie in Sentimental Value noch die traumatisierte Tochter verkörperte, spielt sie in Backrooms eine verständnisvolle Therapeutin, deren eigene Hintergrundgeschichte sie in die gelben Räume ziehen wird. Doch das schauspielerische Highlight ist Chiwetel Ejiofor (bekannt aus 12 Years a Slave, Triple 9, Doctor Strange und mehr). Dieser geht in seiner Rolle als Besitzer des Möbelhauses, welcher im Keller seines Geschäftes ein lebensveränderndes Geheimnis lüftet, voll auf. Fans von ihm hoffen auf mehr solcher kleinen Hauptrollen für ihn.

Da schaut Blumhouse in die Röhre
Backrooms verzichtet komplett auf Schnickschnack wie billige Jumpscares und verlässt sich vollkommen zurecht auf das Talent der Darstellenden sowie das Szenario selbst. Denn das monoton unendliche Labyrinth mit zig neuen Möglichkeiten für neuen Wahnsinn und der damit verbundenen Adrenalin-Achterbahnfahrt bietet genug Horror-Atmosphäre, welche der junge Regisseur Kane Parsons voll ausschöpft. Gerade wenn bedacht wird, dass es sich um ein Regiedebüt in Hollywoods Traumfabrik handelt, verdient seine Leistung Lob und seine kommenden Projekte werden freudig erwartet.
Fazit
Backrooms von Kane Parsons reitet nicht nur auf der Welle des Hypes des Mysteriums um die gleichnamigen gelben Räume, sondern versucht diesen definitiv mit zu formen. Wenn bedacht wird, dass der Film Stand 17.06.2026 bereits 250 Mio. Dollar eingespielt hat, scheint der Versuch mehr als nur erfolgreich. Und auch abseits davon ist Backrooms ein angenehm erfrischender Horrorfilm, welcher frischen Wind nach Hollywood bring und damit eine klare Empfehlung für Horrorfans ist. Auch, wenn das Ende spalten könnte und hoffentlich für aufregende Diskussionsrunden sorgt.