Obsession ist ein Horrorfilm von Regisseur Curry Barker, welcher wie schon der Backrooms-Regisseur Kane Parsons seine Bekanntheit durch eigene Internetproduktionen, Webserien sowie als eine Hälfte des Comedyduos „that’s a bad idea“ erlangte. In Obsession ist der schüchterne Bear (Michael Johnston) unsterblich in seine Arbeitskollegin und Freundin Nikki (Inde Navarrette) verliebt. Doch selbst nach Ermutigungen seines besten Freundes Ian (Cooper Tomlinson) traut sich Bear nicht, Nikki um ein Date zu bitten.
Alles ändert sich jedoch, als Bear ein One-Wish-Willow findet und sich wünscht, dass Nikki unsterblich in ihn verliebt ist. Die Freundin scheint wie ausgewechselt, kann von dem schüchtern, depressiven jungen Erwachsenen gar nicht mehr los lassen und will, dass das Duo von nun an jede freie Sekunde miteinander verbringt. Das geht so weit, dass Nikki Freunde wie Ian und Sarah (Megan Lawless) immer schräger behandelt und der anfängliche Wunsch von Bear sich immer mehr wie Fluch sowie eine unendliche Bürde anfühlt.
Eine VHS direkt aus der Videothek
Curry Barker wollte mit Obsession auf ein Feeling setzen, welches an die 80er-Jahre VHS-Horrorfilme erinnert und nutzt daher Stilmittel wie ein damals typisches 4:3 Bildseitenverhältnis, leichte Kräuselungen sowie Unregelmäßigkeiten im Bild und eine monotone, aber dennoch direkte, einprägsame Musik von Rock Burwell. Zudem erinnert Obsession in vereinzelten Momenten entfernt an John Carpenters Halloween, da gerade um Nikki als gruselige Erscheinung gern mit Licht und Schatten gespielt, sodass schon fast unwirkliche Schattenwürfe entstehen.
Und auch bei den Charakteren erreicht Obsession das 80er-Jahre Setting voll, obwohl der Film im Jahr 2026 spielt. Die Dialoge sind nicht wirklich tiefgreifend, blass, bleiben nicht lange in Erinnerung und erfüllen das typische Horrorklischee. Selbstredend handelt es sich hier um eine allerbeste Freundesgruppe, welche immer wieder beteuert, dass sie nichts auseinander bringen könnte, aber dennoch jeder voneinander Geheimnisse hegt. Dass es zudem unwahrscheinlich erscheint, dass alle vier Protagonisten im selben unabhängigen Musikladen in einer Kleinstadt arbeiten und sich dennoch ein sozial ausgeprägtes Leben mit eigenem Haus sowie Auto leisten können, sorgt dann auch nur für ein Lächeln.
Der altbekannte Blumhouse-Fluch?
Das Highlight von Obsession ist Inde Navarrette als Nikki. Sie spielt die Rolle so facettenreich und verkörpert den Switch zwischen Nikki und der verhexten Nikki erschreckend echt. Allein die Kraft hinter dem Spiel mit ihren Emotionen im Gesicht ist ein kleines erfrischendes Highlight, welches auf mehr Filme mit der US-Amerikanischen Darstellerin hoffen lässt. Zudem trägt Inde Navarrette mit ihrer Performance maßgeblich zum Horror bei und sorgt mit der bewusst gewählten uncanny Art ein unangenehmes, gruseliges Gefühl bei den Zuschauenden.
Bei dem Namen Blumhouse stellen sich bei vielen Horrorfans sofort die Nackenhaare auf und es werden billige Jumpscares am Fließband sowie der nächste schnelle Cashgrab wie M3gan erwartet. Doch bis auf ein paar Ausnahmen trifft das Blumhouse-Klischee nicht auf Obsession zu. Vielmehr setzt der Film auf ein unangenehmes Gefühl, welches eine Fluchtreaktion hervorruft und mit Fortlaufen der Handlung stärker wird. Doch Obsession ruht sich zu sehr auf dem Feeling aus. Es gibt wenig Weiterentwicklung, wenig Variation und es wird letztlich nur eine konsequenzenlose Schippe drauf gelegt.
Von Katzen und ihren schlechten Vätern
Der Hauptdarsteller Michael Johnston kann gerade im Vergleich zu Inde Navarrette mit seinem Schauspiel deutlich weniger überzeugen und geht neben ihr vollkommen unter. Die Mischung aus schüchtern, geschockt, enttäuscht und genervt wird bis auf eine Handvoll Ausnahmen zu repetitiv. Zudem kann mit dem Schauspieler von Bear wenig Mitleid aufgebaut werden. Er ist zwar verschlossen, aber auch das Publikum erfährt nichts über ihn. Zu Entwicklungen bei emotional eng verbundenen Lebensbegleitern zeigt er keine Reaktionen und letztlich ist Bear an seiner Situation ausschließlich selbst dran schuld und lehnt zudem Hilfe der Freunde ab. Er nutzt die namensgebende Obsession gnadenlos aus.
Bear hat eine Katze als Haustier, welche aber schon zu Beginn von Obsession verstirbt. Als Moment der Trauer und um zu zeigen, warum das Leben des Hauptdarstellers so trist ist, wär dies ja okay, jedoch ist die Art des Todes schon ein Problem an sich. Zudem liebt der Film es, die Katze in weiteren Szenen auf eine pervers, sadistische Art und Weise immer wieder Gegenstand der Handlung zu machen, wodurch bei Katzeneltern Unverständnis sowie Übelkeit auftreten können. Es ist auch nichts, was unbedingt notwendig für Obsession ist. Die Szenen existieren um die eine Schippe extra bei den Schockmomenten sein zu können.
Fazit
Ich habe mich auf Obsession echt gefreut. Die Trailer sahen vielversprechend aus, Resonanz positiv und wie bei Backrooms handelt es sich um einen jungen Regisseur, welcher noch nicht von Hollywood verbraucht wurde. Und Anfangs hielt sich die Begeisterung nicht zuletzt dank dem 80er-Jahre Feeling und Inde Navarrette. Doch mit Fortlaufen der Handlung hat sich der Horror zu sehr wiederholt, konnte wenig neues bieten und der Ragebait mit der Katze war einfach nur unnötig. Ich kann die Obsession mit Obsession leider nur wenig nachvollziehen und hatte zuletzt mit Weapons – Die Stunde des Verschwindens deutlich mehr Spaß.