Die Odyssee (2026)

Die Odyssee (2026)

29. Juli 2026 Hel Film

Die Odyssee von Homer zählt zu den am ältesten schriftlich festgehaltenen sowie einflussreichsten Epen aus dem europäischen Raum und hat nicht nur Lyrik sowie Dramatik im antiken Griechenland und Rom, sondern auch die moderne Popkultur mit diversen Theaterstücken, Opern, Verfilmungen, aber auch Auftritten wie in den Simpsons geprägt. Da wundert es nicht, dass der technisch visionäre Regisseur Christopher Nolan (The Dark Knight, Inception, Interstellar) sich auch an einer Verfilmung wagt.

Diese ist mit Matt Damon, Anne Hathaway, Tom Holland, Travis Scott, Robert Pattinson, Elliot Page, John Leguizamo, Charlize Theron, Jon Bernthal und weiteren Darstellenden nicht nur namenhaft besetzt, sondern auch der erste Spielfilm, welcher komplett mit IMAX-70mm-Kameras gedreht wurde. Für Nolan bekannt nutzt das Marketing auch wieder seine Liebe zu praktischen Effekten aus, musste sich diesmal aber auch einer wütenden Social-Media-Flut aufgrund der Rollenwahl stellen. Nolan selbst lässt das kalt, da er wie auch seine Fans von sich überzeugt ist.

Vom Marketing ohne Odyssee

Die Odyssee wirbt mit der Tatsache, dass der Film komplett in IMAX-70 mm gedreht wurde, auch wenn die Anzahl an Projektoren auf der ganzen Welt relativ überschaubar ist und im mittleren zweistelligen Bereich liegt. Doch auch in normalen Kinosälen oder Sälen mit digitalen IMAX-Projektoren sieht das Bild echt gut aus, auch wenn dieses für Nolan typisch entsättigt ist. Generell ist seine Interpretation auffallend farblos, dunkel gehalten und vereinzelt optisch depressiv anmutend.

Zudem prahlt Die Odyssee zurecht damit, wie viele Szenen eigentlich praktische Effekte sind. Selbst die Momente, in denen man sich dachte, dass das komplett CGI sein muss, wurden praktisch mit Tricks gedreht und digital nachbearbeitet. Das ist bemerkenswert und Mut zum Handwerk, auch wenn es erfreulich wäre, wenn Nolan sich auch mit seinen CGI-Artists solidarisieren würde. Damit würde er gegen den verpönten Ruf der hart überarbeiteten Künstler ankämpfen. Denn nicht CGI ist schlecht: schlechtes CGI ist schlecht. CGI in Verbindung mit praktischen Effekten, genügend Zeit und einer visuellen Idee, wie Christopher Nolan sie hat, ist für die meisten Augen oft unsichtbar.

Eine Set-Aufnahme vom Dreh des Historien-Epos „Die Odyssee“. Inmitten einer riesigen, dicht gedrängten Menschenmenge aus Statisten, die in antike, braune Gewänder gekleidet sind, steht Regisseur Christopher Nolan. Er trägt einen dunklen Anzug mit weißem Hemd und blickt konzentriert nach vorne. Direkt links neben ihm hält ein Kameramann eine große, hellblaue IMAX-Filmkamera auf der Schulter. Im oberen linken Hintergrund sind unscharf die Stufen eines sandfarbenen, antiken Bauwerks sowie Statisten in römischen Rüstungen zu erkennen. Rechts über der Menge ragt ein großes, mit Fell windgeschütztes Richtmikrofon (Boom-Mikrofon) ins Bild.
© 2026 Universal Studios. All Rights Reserved.

Von Langeweile und Gänsehaut

Das Marketing ist hierbei ein wichtiger Punkt. Dieses hat sich fast ausschließlich auf die Star-Riege, die Wahl des modernen Slangs sowie die technischen Aspekte konzentriert, doch die Handlung selbst kam viel zu kurz. Und so wundert es nicht, dass Christopher Nolans Die Odyssee zwar die Stationen der Vorlage wie bei einer Checkliste abklappert, diese aber für das Wirken nach vermeintlichen Realismus umschreibt und letztlich dafür sorgt, dass sich die farblich kalte Interpretation jederzeit der Technik unterordnet.

Christopher Nolan ist letztlich aber auch mehr ein technisch, künstlerischer Regisseur und ohne Zutun von Menschen wie Jonathan Nolan weniger für tiefgreifende Charaktere bekannt. Dadurch wirken aber die Charaktere und deren Dialoge in Die Odyssee nicht stark genug ausgefeilt und vereinzelt flach. Doch bei einem Film, welcher neben den optischen Totalen größtenteils mit Nahaufnahmen von Charakteren besteht, läuft diese Kritik Gefahr, bei einer Lauflänge von 172 Minuten schnell zu Langeweile zu werden.

Doch dann gibt es die Momente, welche wieder aus dem Trott der Dialoge herausreißen und das Publikum fesseln. Kämpfe und Auseinandersetzungen wie mit dem Zyklopen sind spannend inszeniert und wissen von sich zu überzeugen. Das Highlight von Die Odyssee ist hier klar der Sturm auf Troja, welcher in Form von Rückblicken erzählt wird. Die Wut der Soldaten, welche zum zerstörerischen Wahn führt, ist jederzeit spürbar und die Infiltration mit dem trojanischen Pferd sorgt für Gänsehaut. Zwar ist das trojanische Pferd sehr auf Hochglanz poliert und entspricht somit nicht der Überlieferung, die von Schiffswracks als Material spricht, wirkt dadurch aber als vermeintliche Opfergabe für die Göttin Athena ehrbarer.

Eine dramatische, nächtliche Kriegsszene aus dem Film „Die Odyssee“. Im Hintergrund stürzt ein großer, sandfarbener antiker Festungsturm inmitten von gewaltigen Explosionen, lodernden Flammen und dichtem Rauch in Schräglage ein. Im Vordergrund sind die dunklen Silhouetten mehrerer griechischer Krieger in Rüstungen und Helmen mit Busch (Galea) zu sehen. Sie stürmen mit gezogenen Schwertern und Rundschilden im Gegenlicht des Feuers von rechts nach links durch den Innenhof der brennenden Festung.
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Vom Hate und Überraschungen

Die Odyssee basiert auf Homers gleichnamigen Märchensage, weshalb Nolan bei Darstellungen von Rüstungen, Booten – auch, wenn diese Nachbauten von Wikingerschiffen sind – Bauten, aber auch Darstellenden komplett freie Hand hat. Dementsprechend steht es ihm auch zu, Lupita Nyong’o als Helena zu besetzen, auch wenn das einen von Elon Musk und weiteren rechten Sprachrohren aufgeheizten Internetwutmob zur Folge hatte. Ironischerweise hat sich dieser jedoch nicht darüber beschwert, dass Matt Damon und Tom Holland jetzt auch nicht wie die typischen Griechen wirken und ein Teil der Besatzung fast schon wie eine comichafte Skizze von den Germanen aus Ridley Scotts Gladiator wirken.

Doch bei all dem ungerechtfertigten Hate sowie der zum Teil gerechtfertigten Kritik, wie auch der Tatsache, dass Nolan kaum unbekannte Gesichter castet, können alle Darstellenden jederzeit überzeugen, wobei charakterstarke Schauspielende wie Robert Pattinson oder Anne Hathaway einen starken Eindruck hinterlassen. Freudig wird die Performance von Tom Holland als Odysseusy Sohn Telemachos betrachtet. Denn nicht nur der Charakter, sondern auch Tom Holland selbst scheint mit der Rolle und dem Erlernen des Drehs mit analogen IMAX-Kameras zu wachsen. Es bleibt zu hoffen, dass sich der britische Schauspieler neben seiner Rolle als Spider-Man auch in Zukunft an Projekte abseits der Blockbuster-Norm heranwagt.

Die Überraschung schlechthin dürfte John Leguizamo – unter anderen aus John Wick bekannt – in seiner Rolle als Eumaios sein. Dieser verkörpert Odysseus treuen, blinden Sauhirten jederzeit treffend als stolzen, loyalen Mann und ist der Auslöser für die Entwicklung von Tom Hollands Charakter. Er hat eine Ausstrahlung wie in keinem anderen Film, wodurch Die Odyssee vielleicht die beste Performance von John Leguizamos Karriere zu bieten hat.

Eine düstere Filmszene aus „Die Odyssee“ mit John Leguizamo als Eumaeus. Er steht im Zentrum des Bildes in einem schwach beleuchteten, antiken Steinsaal und blickt mit ernstem, nachdenklichem Gesichtsausdruck nach vorne. Seine Hände sind vor dem Bauch zusammengelegt. Er trägt ein langes, braunes Gewand mit gemusterten Borten und hat weißes Haar sowie einen Drei-Tage-Bart. Auf der rechten Bildseite lodert eine offene Flamme in einer Metallschale (Fackelhalter), die die Szene in warmes, schattiges Licht taucht. Im linken Vordergrund ist das Profil eines anderen Mannes im Schatten zu erkennen.
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Fazit

Christopher Nolans Die Odyssee ist wie erwartet das technisch, optisch spektakuläre Highlight und hat mit dem Dreh mit IMAX-Kameras und dessen Weiterentwicklung für neue Maßstäbe gesorgt. Zudem ist er dafür verantwortlich, dass die Zahl der IMAX-70mm-Projektoren um eine minimale Zahl gestiegen sind, wobei eine weltweit zufriedenstellende Abdeckung noch in weiter Ferne zu liegen scheint. Doch inhaltlich hat mich Die Odyssee kälter gelassen als gedacht. Klar, die Darstellenden überzeugen, aber das Drehbuch ist an manchen Stellen trotzdem zu flach. Dennoch ist die Odyssee Pflichtprogramm für alle Nolanfans oder Fans von Homers Odyssee. Ich für meinen Teil hab zumindest ein Interesse daran, Homers Ilias und Odyssee zu lesen.

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