Evil Dead Rise ist von Regisseur Lee Cronin und erschien im Jahr 2023. Ich habe den Film damals zweimal im Kino gesichtet, war begeistert, habe Evil Dead Rise danach aber nicht mehr gesehen. Da jetzt Evil Dead Burn vom französischen Regisseur Sébastien Vaniček erscheint und wieder vielversprechend aussieht, habe ich Evil Dead Rise erneut gesichtet und wollte schauen, ob mich Lee Cronins Ausflug in das Universum um das Necronomicon – das Buch der Toten – auch drei Jahre später immer noch begeistern kann.
Die Gitarrentechnikerin Beth (Lily Sullivan) erfährt mitten auf Tournee, dass sie schwanger ist. Hilflos und ohne großen Plan wendet sie sich an ihre Schwester Ellie (Alyssa Sutherland), die mit ihren drei Kindern in einem heruntergekommenen Haus, das kurz vor dem Abriss steht, wohnt. Als die Kinder Danny (Morgan Davies), Bridget (Gabrielle Echols) und Kassie (Nell Fisher) Pizza holen sollen, setzt ein Erdbeben einen geheimen Keller frei. In diesem findet Danny ein altes Buch sowie Schallplatten. Zuhause abgespielt, offenbart sich das Buch schnell als Necronomicon und die Schallplatten beinhalten den Fluch, welcher schon bald das Grauen auf das Wohnhaus loslässt.
Ich glaub, ich spinne
Das Szenario mit dem heruntergekommenen Haus, den sozial schwach gestellten Protagonisten sowie der Tatsache, dass diese im Haus gefangen sind, ist ähnlich zu Spiders – Ihr Biss ist der Tod, welcher ebenfalls 2023 erschien. Doch im direkten Vergleich zum französischen Spinnenhorrorfilm wirkt das Haus von Evil Dead Rise ein wenig zu einfach gestrickt. Manche der Defekte des Hauses scheinen zu konstruiert und sind scheinbar nur dafür da, dass der Film Schockmomente bieten kann.
Dennoch ist die Wohnung der Protagonisten selbst authentisch und passt nicht nur zur Persönlichkeit der Charaktere, sondern wirkt auch echt heimisch. Damit steht die einladend gemütliche Wohnung im direkten Kontrast zu dem Szenario von Evil Dead Rise, was dem Horror des Films aber zugutekommt. Denn eine Dämonische Präsenz in den eigenen vier Wänden schockt deutlich mehr, als beispielsweise ein dämonisch heimgesuchtes Nonnenkloster wie in The Nun.
Die Definition von hanebüchen
Die Charaktere funktionieren für das Geschehen von Evil Dead Rise, das Schauspiel der Darstellenden, insbesondere der Töchter Bridget (Gabrielle Echols) und Kassie (Nell Fisher), kann überzeugen und besonders die Kostüme sitzen treffend. Dennoch wirken die Charaktere von ihrer Art fast schon comichaft überzeichnet und gerade der Sohn Danny (Morgan Davies) verhält sich immer wieder unlogisch hanebüchen und entgegen jeglicher Vernunft. Statt gesunden Menschenverstand lässt sich in Evil Dead Rise ein Abziehklischee der Horrorfilme finden.
Doch damit passen die Charaktere treffend zu der Handlung von Evil Dead Rise. Diese vermag das Publikum zwar zu unterhalten, wirkt dennoch aber immer wieder an den Haaren herbei gezogen. Dinge geschehen, weil das Drehbuch will, dass diese geschehen, ganz gleich, ob diese sich plausibel oder nicht anfühlen. Gerade der Fund des Necronomicon wirkt ein wenig zu zufällig und plötzlich. Es ist das kleine Bisschen, was die Handlung zu überspitzt wirken lässt.
Peak Evil Dead mit Abstrichen
Doch auch, wenn die Story sowie Charaktere von Evil Dead Rise hanebüchen wirken, funktioniert der Horror treffend. Der Ekel, die Brutalität, die uncanny Bewegungen der von Dämonen besessenen Charaktere sowie die Kameraarbeit von David Garbett können für echte Schocker sorgen. Aber dennoch könnte der Horror einen Ticken raffinierter sein und würde von einem besseren Spannungsbogen profitieren. Denn Evil Dead Rise entlädt seinen Horror so plötzlich wie einen Schrotflintenschuss.
Immerhin können die praktischen Effekte den Grusel von Evil Dead Rise untermalen. Erbrochenes, Schleim, Blut und weitere Körperausscheidungen sehen ekelerregend täuschend echt aus. Die Kehrseite der Medaille sind jedoch die computergenerierten Effekte, die jederzeit klar zu erkennen sind und ein uncanny Sehgefühl schaffen. Mit 12 Millionen Dollar ist das Budget von Evil Dead Rise für Hollywood zwar überschaubar, aber Horror ist vergleichsweise günstig in der Produktion, weshalb bessere Effekte erwartbar sind.
Fazit
Evil Dead Rise macht auch noch drei Jahre nach Release immer noch Spaß, wirkt aber dennoch etwas angestaubt und kann nicht mehr so sehr, wie im Kino überzeugen. Hinzu kommt der direkte Vergleich mit dem sehr ähnlichen Spiders – Ihr Biss ist der Tod, welcher in der Gesamtkomposition deutlich unterhaltsamer und glaubwürdiger war, weshalb die Hoffnungen für Evil Dead Burn, der vom selben Regisseur wie der französische Spinnenfilm inszeniert wird, hoch bleibt. Aber wer einen nicht zu langen, splattrigen Horrorfilm sucht, welcher das Evil-Dead-Feeling glaubhaft vermittelt, macht mit Evil Dead Rise auch nichts falsch.