Die Tribute von Panem – The Hunger Games ist ein Actionthriller von Gary Ross (Ocean’s 8) und basiert auf Suzanne Collins Roman „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“, der Auftakt der weltbekannten Panem-Trilogie war. Die Autorin war eng bei Gestaltung des Drehbuchs sowie der Produktion des Films beteiligt. Die Tribute von Panem – The Hunger Games lief 2012 in den Kinos und wurde jetzt im Vorbereitung auf den kommenden Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping als Fanscreening in ausgewählten Kinos wieder aufgeführt.
Aus dem zerstörten Nordamerika ist der Staat Panem entstanden, das Kapitol regiert das ums Überleben kämpfende Volk mit eiserner Hand. Als Machtdemonstration veranstaltet das Kapitol jährlich die Hungerspiele: Je ein Mädchen und ein Junge aus Panems zwölf Distrikten müssen in einem modernen Gladiatorenkampf antreten. Als ihre kleine Schwester Prim (Willow Shields) für die Spiele ausgelost wird, nimmt die 16-jährige Katniss (Jennifer Lawrence) freiwillig ihren Platz ein. Der zweite Kandidat aus Katniss’ Distrikt ist Peeta (Josh Hutcherson), der ihr schon einmal das Leben gerettet hat und Gefühle für sie hegt. Doch die Arena kennt keine Liebe und nur einen Überlebenden.
So sieht eine Buchvorlage aus
Die Zusammenarbeit mit Suzanne Collins und dass sie nebst Gary Ross sowie Billy Ray Drehbuchautorin von Die Tribute von Panem – The Hunger Games ist, ist ein Segen für den Film und das Franchise an sich. Dadurch gelingt ihnen der Sweetspot zwischen dem Einhalten der Buchvorlage, aber auch dem Schaffen eigener Ideen. Dadurch kann die Story auch im Film packend dramatisch wirken. Und auch die beiden Teile bestehend aus Vorbereitung und den eigentlichen Spielen werden glaubhaft miteinander verbunden und erinnern leicht an die Erzählweise eine Full Metal Jacket.
Die Tribute von Panem – The Hunger Games spielt auch wie seine Romanvorlage mit den Geschlechterrollen und tauscht diese in gewissen Punkten. Katniss ist die Beschützerin, die emotional kühle, aber auch mutige Person, die Starke, die mit der Waffe umgehen kann und die ihre emotionale Unantastbarkeit für sich nutzt, während Peeta der Gefühlvolle, Leidenschaftliche sowie Verletzliche im Duo ist und mit seiner Liebevollen Art für Fans sowie Sponsoren sorgt.
Dabei verkommt Katniss nicht zu einem männlichen Helden hinter weiblicher Fassade, sondern ist eine starke weibliche Ikone, die sich im von Männern dominierten Panem mit einer Mischung aus Arroganz sowie Humor durchsetzt und sich für die Interessen von sich sowie ihren Mitmenschen einsetzt. Dabei rennt sie nicht auf Krampf einer Beziehung hinterher, hat im Gegensatz zu den Frauen aus Sinn und Sinnlichkeit (2026) eigene Interessen und definiert sich nicht zur Liebe zu einem Mann. Nicht nur das, Die Tribute von Panem – The Hunger Games zeigt, dass Katniss sich auch ein Leben ohne Kinder sowie Liebe vorstellen und Letztere für sie auch nur Mittel zum Zweck sein kann.
Ein Hoch auf die Tribute
Das Schauspiel von Die Tribute von Panem – The Hunger Games ist durch die Bank stark und gerade bei den Tributen passen die Darstellenden perfekt zu den jeweiligen Distrikten, die sie repräsentieren. Das gilt insbesondere für die Karrieros Glimmer (Leven Rambin), Marvel (Jack Quaid), Clove (Isabelle Fuhrman) und Cato (Alexander Ludwig) aus den ersten beiden Distrikten, die dem Kapitol treu ergeben sind sowie durch Arroganz, Überheblichkeit und gerade bei Cato mit einem Körperbild nach Nationalsozialistischen Vorbild auffallen.
Die Stärken von Die Tribute von Panem – The Hunger Games liegen jedoch in Haymitch (Woody Harrelson) als Mentor, Caesar Flickerman (Stanley Tucci) als schrill schillernden Moderator der Hungerspiele, der gleichzeitig die Welt von Panem erklärt sowie Katniss im Zusammenspiel mit Peeta, aber insbesondere in ihrem kurzen Bündnis mit Rue (Amandla Stenberg), das für starke Emotionen und vereinzelte Tränen sorgt. Der Einzige, der in Die Tribute von Panem – The Hunger Games untergeht, obwohl er solide spielt, ist Liam Hemsworth als Gale.
Immer noch ein Augenschmaus
Ein Großteil der computergenerierten Effekte sind zwar mittlerweile erkennbar, aber dennoch gut gealtert und haben 2012 sichtlich alles aus dem 78 Millionen Dollar Budget geholt, was möglich ist. Es ist anzumerken, dass sich über diese, wie auch die praktischen Effekte und Setdesign Gedanken gemacht wurde. Dadurch sehen das in Armut heruntergekommene Distrikt 12, die tödliche Arena sowie das von Dekadenz gezeichnete Kapitol auch noch 14 Jahre nach release fantastisch aus und Die Tribute von Panem – The Hunger Games kann immer noch auf der Leinwand überzeugen.
Die Kostümabteilung von Die Tribute von Panem – The Hunger Games hat ganze Arbeit geleistet und sorgt dafür, dass die Unterschiede sowie Rollen der Distrikte zur Geltung kommen. Beim Kostüm für die Kapitoler ist der Film nicht so kreativ, wie sein Nachfolger Die Tribute von Panem – Catching Fire, aber das mag dem Budget geschuldet sein und die Kapitol-Kleidung kann dennoch überzeugen. Einziges Manko ist die Maske für die weiblichen Tribute. Auch nach Tagen in der Arena sitzt das Makeup perfekt und der Körper ist aalglatt rasiert. Gerade, weil die männlichen Tribute verdreckt sind und die Reihe im Ansatz feministisch ist, stört das toxische Schönheitsideal und bricht minimal die Immersion.
Mitten im Geschehen
Die Kamera von Tom Stern will das Gefühl vermitteln, dass es sich bei Die Tribute von Panem – The Hunger Games um eine wirkliche Gladiatorenshow handelt. Dadurch gibt es die typisch statischen TV-Kameraperspektiven, als auch nahe Aufnahmen, die das Gefühl vermitteln sollen, immer im Geschehen zu sein. Doch gerade diese Fahrten sind immer wieder zu wackelig und einen kleinen Ticken zu unruhig. Es ist nicht katastrophal und das Wichtigste ist immer noch erkennbar, aber diese Kameraführung fällt eben auf.
Eine der größten Stärken von Die Tribute von Panem – The Hunger Games ist die Musik von James Newton Howard (The Dark Knight, Der Schatzplanet, Unbreakable – Unzerbrechlich), die den Tenor für das Franchise setzt und positiv in Erinnerung bleibt. Gerade die Hymne von Panem sowie die musikalische Begleitung essentieller Szenen löst Emotionen aus und kann das Geschehen auf der Leinwand mehr als nur treffend untermalen. Wie bei Mad Max: Fury Road handelt es sich um einen Score, der perfekt zu seinem Film passt. Das schaffte Vertrauen, wodurch James Newton Howard in jedem Panem-Film als Komponist beteiligt war.
Fazit
Die Tribute von Panem – The Hunger Games das erste Mal auf der großen Leinwand sehen zu können, war für mich ein kleines Highlight des Jahres. Auch 14 Jahre später hat der Film nichts von seinem Glanz verloren und macht trotz seiner Schwächen in Maske sowie Kamerafahrt Lust auf mehr. Gerade, weil Jennifer Lawrence die perfekte Katniss ist. Ich kann es kaum abwarten, Die Tribute von Panem – Catching Fire als Vorbereitung auf Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping erneut im Kino sehen zu können.