Sinn und Sinnlichkeit ist ein Liebesfilm mit Dramaelementen von der Regisseurin Georgia Oakley (Bored, Blue Jean), ist ab sechs Jahren freigegeben, startet ab dem 15. Oktober 2026 in den deutschen Kinos und ist das Debüt von Diana Reid als Drehbuchautorin. Nach Sinn und Sinnlichkeit (1995) und Sinn und Sinnlichkeit (2008) ist es eine weitere Verfilmung von Jane Austens Romanvorlage Verstand und Gefühl (Sense and Sensibility).
England um 1800: Nach dem Tod ihres Vaters müssen die beiden Schwestern Elinor (Daisy Edgar-Jones) und Marianne Dashwood (Esmé Creed-Miles) ihr Zuhause verlassen und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Die besonnene Elinor hält ihre Gefühle für Edward Ferrars (George MacKay) geheim, da eine gemeinsame Zukunft aufgrund gesellschaftlicher und familiärer Hindernisse aussichtslos erscheint. Die jüngere Marianne hingegen folgt offen ihrem Herzen und verliebt sich Hals über Kopf in den charismatischen John Willoughby (Frank Dillane). Zwischen Hoffnung, Enttäuschung und den Zwängen ihrer Zeit müssen beide Schwestern ihren eigenen Weg finden und erkennen, dass weder kühle Vernunft noch leidenschaftliche Gefühle allein zum Glück führen.
Bitte langsam, bitte langsam
Sinn und Sinnlichkeit stürzt sich direkt in die eigene Erzählung sowie einen raschen Charakteraufbau, was dem Film aber gut tut. Schnell lernt das Publikum die Protagonisten, die klar gezeichneten und schnell erkennbaren Antagonisten, (vermeintliche) Gentleman und all deren Beweggründe kennen. Sinn und Sinnlichkeit macht auch keinen großen Hehl daraus, die Story um die verlorene Erbschaft hauptsächlich dafür zu nutzen, neue Locations und Charaktere zu etablieren. Fans des Genre werden das aber mit einem Augenzwinker ignorieren können.
Ein Problem hierbei ist jedoch die erzählerische Struktur von Sinn und Sinnlichkeit. Immer wieder gibt es Zeitsprünge, die sich nicht klar erkennbar zeigen und bei denen es unklar ist, ob es sich um einen Sprung von Wochen, Monaten oder gar einem Jahr handelt. Das und eine Lauflänge von 131 Minuten sorgt beim Publikum für vereinzelte Blicke auf die Uhr und läuft Gefahr, dass man aus dem Geschehen herausgerissen werden kann. Das wird jedoch vom starken Mittelteil in London versucht, wieder gut zu machen.
Das muss nicht sein
Die Auswahl der Darstellenden ist das größte Highlight und gerade Daisy Edgar-Jones ist hier der emotionale Anker sowie Hauptbezugspunkt der Handlung von Sinn und Sinnlichkeit. Gleichzeitig ist die Chemie zwischen ihr, Esmé Creed-Miles, Caitríona Balfe als der Mutter und Bodhi Rae Breathnach als jüngste Schwester greifbar realistisch und wird von George MacKay, Frank Dillane, Herbert Nordrum als Colonel sowie Fiona Shaw als die gute Seele Mrs. Jennings treffend ergänzt, sodass das Publikum fast das Gefühl bekommt, dass es sich in Sinn und Sinnlichkeit um echte Menschen handelt.
Doch das Problem ist, dass die weiblichen Charaktere zu eindimensional und blass geschrieben sind. Zwar ist die Liebe als solche in Sinn und Sinnlichkeit glaubhaft geschrieben und der Film zeigt auf, dass diese mit der falschen Person mehr Schmerz als Freude bereiten kann. Jedoch haben die weiblichen Charaktere letztlich nur die Liebe als Ziel und abseits davon keine Bedürfnisse oder nennenswerte Leidenschaften. Und selbst Themen wie das verlorene Erbe sowie der damit erzwungene Umzug sind keine spürbaren Bedrohungen und sind zu leicht gelöst, wodurch eine klare gesellschaftspolitische Agenda von Sinn und Sinnlichkeit spürbar ist.
Der Teufel steckt im Detail
Der einzige Vorteil der Probleme ist, dass Sinn und Sinnlichkeit neue Sets sowie Locations präsentiert, die von der Kameraarbeit von Arnaud Potier bildhübsch in Szene gesetzt werden. Und optisch kann der Film bis auf zwei Momente, in denen die CGI Effekte zu krass auffallen, nicht nur überzeugen, sondern schafft Bilder, die wie ein Gemälde in Erinnerung bleiben.
Fazit
Sinn und Sinnlichkeit präsentiert zwar starkes Schauspiel und bildschöne Sets, die den Geist des 19. Jahrhunderts transportieren, verfolgt aber eine gesellschaftliche Agenda, die ebenfalls aus dieser Zeit stammt, Frauen nur auf das Thema Liebe degradiert und nicht mehr zeitgemäß ist. Fans von Jane Austen Romanen sowie Verfilmungen von diesen können das zwar mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis nehmen, aber gerade mit Finding Emily oder Girls Like Girls haben Universal und Focus Features dieses Jahr die deutlich inhaltsstärkeren romantischen Filme präsentiert.