Disclosure Day ist der neueste Film von Steven Spielberg, welcher mit David Koepp auch an dem Drehbuch gearbeitet hat. In dem Sci-Fi-Film müssen Dr. Daniel Kellner (Josh O’Connor), Jane Blankenship (Eve Hewson) und Margaret Fairchild (Emily Blunt) unter der Koordination von Hugo Wakefield (Colman Domingo) eine Verschwörung sowie Vertuschung der Regierung aufdecken, deren Hauptverschwörer die Organisation Wardex unter Leitung von Noah Scanlon (Colin Firth) ist und das Geheimnis zur Not auch mit Waffengewalt schützt.
Zweierlei Maß
Die Handlung von Disclosure Day kann am besten in zwei Teile unterschieden werden. Die erste Hälfte des Films ist nicht nur etwas träge, sondern auch zu Beginn verwirrend. Das Publikum wird von Spielberg und Koepp ins kalte Wasser geschmissen, wodurch dieses genauso wenig weiß, wie Emily Blunt. An sich ist das ein interessantes sowie nachvollziehbares Stilmittel, jedoch hält sich der Film mit Informationen zur Handlung zu sehr zurück. Gerade in den ersten 30 Minuten wird komplett im Dunklen herum getappt und es gibt kaum Möglichkeiten zum erraten der Rahmenhandlung.
Der zweite Teil und insbesondere das letzte Drittel von Disclosure Day können deutlich mehr überzeugen. Nicht nur, dass die Protagonisten zusammen geführt werden und es genug Anhaltspunkte in der Handlung gibt, um miträtseln zu können, hier präsentiert Steven Spielberg in Harmonie mit David Koepp und Komponist John Williams die Magie welche an seine altbekannten Klassiker wie Die unheimliche Begegnung der dritten Art oder E.T. – der Außerirdische erinnert.
Nostalgia Bait mit verblassten Hoffnungen
Es thematisiert wieder die Hoffnung, den Willen daran, an etwas Magisches zu glauben, sowie die Frage, ob wir in den unendlichen Weiten des Universums allein sind. Doch dabei liefert Steven Spielberg keine neuen Antworten, wodurch Disclosure Day nur wie ein Best-Of seiner kreativsten Science-Fiction-Werke wirkt. Eine neue Perspektive mit neuen Darstellenden und größeren Effekten. Doch gerade bei den großen Namen Steven Spielberg und David Koepp erhoffen und erwarten Fans einfach mehr.
Zudem versucht Disclosure Day, immer wieder Ansätze zu bieten, die politisch sein wollen. Dabei ist der Gehalt der Thematik und die Dramatik hinter dieser so gering, was Steven Spielberg überhaupt aussagen will. Zwischen christlicher Propaganda, welche an den Schöpfer erinnern soll und selbstzerstörerischen Vorhersagen lassen sich diverse hanebüchene Aussagen mit der inhaltlichen Tiefe eines Kalenderspruchs wiederfinden und stellen gerade im Vergleich zu modernen Sci-Fi-Klassikern wie Arrival ein Armutszeugnis dar.
Ein unangenehmes Gefühl
Die Kameraarbeit in Disclosure Day ist auffallend anstrengend. Kameramann Janusz Kaminski und Patrick Capone sorgen für Unverständnis, da sich die Kamera selbst in ruhigen Momenten wie stillen Dialogen inflationär um die Darstellenden dreht, Schwenker präsentiert und eine verfolgende Bewegung zeigt, welche für ein unangenehm hektisches Gefühl sorgt. Diese Karussellfahrten um Protagonisten sind bereits in Filmen wie Tenet von Christopher Nolan negativ aufgefallen, kamen aber deutlich seltener vor.
Da geht doch mehr
Die Action von Disclosure Day ist solide, mehr aber auch nicht. Der Großteil der Wirkung wird letztlich durch John Williams Musik erzielt. Ohne diese würden die Verfolgungsjagten nochmal deutlich weniger ziehen, zumal die visuellen Effekte selbst nicht von sich überzeugen können und gerade in einer Actionszene mit einem Zug jederzeit auffallen. Die Effekte sind uncanny und spätestens bei dem digital erzeugten Fuchs muss das Publikum ungewollt lachen, da dieser an den Schwäbisch Hall Fuchs erinnert.
Und auch das Schauspiel von Disclosure Day ist nur ein Hollywood Durchschnitt. Josh O’Connor konnte zuletzt in Rian Johnsons Wake Up Dead Man deutlich mehr begeistern, Colman Domingo wirkt ausschließlich wie ein Erzähler am Rande und Emily Blunt bekam sogar in Der Teufel trägt Prada 2 mehr zu tun. Einzig Colin Firth konnte etwas überzeugen, auch wenn bis auf eine erwartbare sowie schnell vorhersehbare Charakterentwicklung auch nicht viel mit seinem Charakter angestellt wird.
Fazit
Disclosure Day lässt das Publikum mit extrem gemischten Gefühlen zurück. Einerseits setzt Steven Spielberg auf die richtigen Trigger, wodurch sich Momente des Films magisch anfühlen, aber das erinnert mehr an Nostalgia-Bait, da wenig neue Fragen gestellt oder neue Perspektiven eingenommen werden. Disclosure Day ist ein solider, durchschnittlicher Hollywood-Sommerblockbuster, welcher sich aber mit seiner Lauflänge von 145 Minuten deutlich zu lang anfühlt und der Vita des legendären Regisseurs nicht gerecht wird.