Nachdem ich das Wochenende krank auf der Couch verbracht und damit Cars Wiederaufführung im Kino verpasst habe, habe ich neben dem Formel-1-Spektakel in Monza leichte Kost haben wollen und Desktop-Filme wieder für mich entdeckt. Nach Unknown User und Unknown User 2: Dark Web wurde mir Searching vorgeschlagen und ich habe gemerkt, dass ich das Genre an Desktop-Filmen vielleicht zu voreilig unterschätzt habe.
David Kim (John Cho) hat nach dem Tod seiner Frau ein eher angespanntes Verhältnis zu seiner Tochter Margot (Michelle La). Doch als diese eines Tages nicht mehr nach Hause kommt und auch auf keinen der Kontaktversuche von David reagiert, meldet er Margot bei der Polizei als vermisst. Detective Vick (Debra Messing) setzt sich schnell mit dem besorgten Vater an einen Tisch, kann aber auch keine Ergebnisse liefern. Also gibt sich David einen Ruck, durchsucht den Laptop seiner Tochter und begibt sich auf eine eigene Recherche.
Darf ein Desktop so schön aussehen?
Searching bietet zwar keine klassische Kameraarbeit in dem Sinne, wie sie das Publikum kennt, aber die virtuelle Kamera von Nicholas D. Johnson sowie der Schnitt, die Edition des Films sorgen für spannend, mitreißende Momente. Selten wurden Desktops, Handydisplays, Chats, Facetime-Anrufe, verschiedene offene Programme und Tabs inszeniert wie in Searching. Und selbst Außenaufnahmen, Drohnenflüge oder gar direkte Konfrontationen sind dank ein paar Tricks möglich, wodurch sich Searching trotz der Limitierung auf Displays mobil und erfrischend anders anfühlt, was die Dramatik verstärkt.
Untermalt wird diese Dramatik von der Story von Searching. Diese beginnt erst unscheinbar, fast schon langweilig, wird aber mit dem Verschwinden von Margot konstant spannender und kann den Spannungsbogen bis auf ein Maximum ausdehnen, ohne dabei zu überdramatisch oder gar zu kitschig zu wirken. Zeitgleich bietet Searching ein paar Twists, die sogar Fans von Thrillern überraschen können und perfekt mit dem Desktop-Szenario harmonieren.
Bitte mehr davon
Auch das Schauspiel von Searching funktioniert glaubhaft, obwohl dieses mehr über die Dialoge, als über Mimik und Gestik funktioniert. Gerade John Cho – den die Zuschauenden aus J. J. Abrams Star-Trek-Trilogie kennen könnten – kann als der Vater, der seine Tochter neu, beziehungsweise das erste Mal richtig kennen lernt und dabei feststellen muss, dass er im Umgang mit Margot Fehler gemacht hat, voll überzeugen. John Cho spielt seine Rolle als dieser besorgte, reflektiere Vater glaubwürdig, schafft dadurch Mitgefühl und wird zum emotionalen Anker von Searching.
Der Filmscore von Torin Borrowdale begleitet Searching normalerweise flach und will sich nicht in den Vordergrund stellen, wodurch die Musik aber nicht in Erinnerung bleiben will. Es gibt aber zwei große Szenen, in denen sich die Musik dann doch nochmal mehr traut und dafür sorgt, dass die spannungsgeladene Dramatik der Szenen mehr untermalt und diese in Erinnerung bleiben. Schade nur, dass Searching sich selbst nur zwei dieser Szenen gönnt.
Fazit
Wer Fan von Thrillern ist, sollte bei Searching definitiv einen Blick wagen, auch wenn es den Film aktuell nur zum Leihen gegen Bezahlung oder auf Blu-ray gibt. Allein die Art der Inszenierung der Desktops als Erzählebene, die virtuellen Kamerafahrten auf den Displays, die Übergänge und die vereinzelten Twists, die sogar Fans des Genre überraschen können, sind Grund für eine Sichtung. Mit Missing kam 2023 ein ähnlich starker Film, der das Desktop-Genre bedient, abseits davon sind Ableger des Genre mau und mit Krieg der Welten (2025) wurde ein Tiefpunkt der Desktop-Filme erreicht.