The Raid

15. Juli 2026 Hel Film

Meine letzte Sichtung von The Raid ist jetzt eigentlich schon ein paar Jahre her und ohne den vor kurzem veröffentlichtem The Furious wäre dies wahrscheinlich auch so geblieben. Denn der Film aus Hongkong hat wieder meine Lust auf Gareth Evans Prügelfilm von 2011 gemacht. Dieser wird weltweit von Actionfans in den Himmel gelobt und verspricht mit seinem Szenario Spannung, Dramatik sowie diverse blutige Auseinandersetzungen.

Der indonesische Polizeileutnant Wahyu (Pierre Gruno) organisiert in Jakarta den Sturm auf ein Hochhaus, welche als Unterschlupf des Unterweltbosses Tama (Ray Sahetapy) genutzt wird. Nachdem die Polizeieinsatzkräfte unter Führung von Sgt. Jaka (Joe Taslim) mithilfe des Bewohners Gofar (Iyang Darmawan) in das Haus schleichen, werden diese von einem Späher entdeckt, welcher sofort Alarm schlägt und das Hochhaus in ein Schlachthaus für Polizisten verwandelt.

Jaka und auch der junge Rama (Iko Uwais), welcher auch seine eigenen Ziele verfolgt, finden schnell heraus, dass der Leutnant keine Verstärkung rufen kann, da dieser seine Vorgesetzten nicht über den Einsatz informierte. Die letzten verbleibenden Überlebenden müssen sich allen Widrigkeiten zum Trotz aus dem Hochhaus herauskämpfen, während die beiden rechten Hände des Mafiabosses Tama, Andi (Donny Alamsyah) und der brutale Mad Dog (Yayan Ruhian), mithilfe ihrer Schergen Jagd auf die verbleibenden Polizisten machen.

Eine plausible Bodenständigkeit

Auch, wenn die Story von The Raid relativ simpel gehalten ist, kann diese dennoch überzeugen und ist mehr als ausreichend. Diese eine Mission der Polizei, welche scheitert und das Einsatzgebiet Hochhaus in eine schwer bewaffnete Festung mit einer schier unendlichen Anzahl an Gegnern und scheinbar ohne Hoffnung auf Entkommen verwandelt, sorgt für genug Spannung, die das Publikum mitreißt und bodenständig den Tenor für Emotionen sowie Entwicklung der Handlung setzt.

Die Bodenständigkeit von The Raid setzt sich auch im Szenario selbst fort. Das Hochhaus in einem sozial schwachen Gebiet, in dem den Bewohnern vom Gangsterboss absolute Mietfreiheit versprochen bekommen, wenn diese mit Jagd auf die Polizisten machen ist nicht nur ein plausibles Setting, es erklärt auch – trotz einer gewissen Überzeichnung – deutlich besser als seine Genrekollegen, woher die schier endlose Flut an bewaffneten sowie mordlustigen Gegnern stammt, welch sich dem Protagonisten in den Weg stellen.

Nach Schema: Keine Experimente

Auch, wenn die Erzählweise von The Raid für einen Actionfilm fast schon typisch ist, bringt der Film von Gareth Evans den Protagonisten, welcher von Iko Uwais verkörpert wird, sowie seine direkten Kollegen den Zuschauenden näher. Doch abseits von ihm, Joe Taslims Charakter und zwei vereinzelten Kollegen sind die anderen Polizisten nur bloßes Beiwerk, ein Mittel zum Zweck und dienen letztlich nur als Kanonenfutter sowie Motivator für den Protagonisten selbst.

Lediglich die Antagonisten sind wie auch bei The Furious, City of Darkness und weiteren ostasiatischen Genrekollegen überzeichnet, auch wenn The Raid noch bodenständiger als seine Filmgeschwister ist, und letztlich böse des Willens, böse zu sein. Wütende Blicke, tiefes, fast schon hasserfülltes Sprechen sowie dauerhafte Aggressionen auf jeglicher kommunikativen Ebene sind in The Raid an der Tagesordnung. Es passt zwar zum Film, hat aber einen minimal überzeichneten Touch.

Das ist ein Brett!

The Raid beginnt zuerst relativ unscheinbar mit dem Sturm auf das Hochhaus, welcher in der gescheiterten Schießerei endet, auch wenn der Film hier schon überzeugen kann. Doch das Highlight des indonesischen Films beginnt nach der ersten halben Stunde, wenn dieser zum reinsten Martial-Arts-Actionballett wird. Schlagabtausch auf Schlagabtausch sorgen für eine hypnotische Sogkraft, gespannte Blicke sowie eine Begeisterung, welche das Herz der Actionfans zutiefst erfreuen kann.

Die Action von The Raid profitiert maßgeblich von dem Talent der Darstellenden, welche dafür sorgen, dass sich die Kämpfe wuchtig, brutal und täuschend echt anfühlen. Besonders können hier Iko Uwais, Joe Taslim und Yayan Ruhian als brutaler Gegenspieler sowie direkter Handlanger des Mafiabosses überzeugen. Die drei Darsteller geben den ohnehin schon harten Kämpfen den extra Biss und sorgen für immer wieder neue, krassere, aber dabei bodenständig realistisch wirkende Kämpfe, wodurch The Raid sich mit seiner Lauflänge von 101 Minuten nie zu lang anfühlt.

Bitte mehr davon

Die Kameraarbeit von Matt Flannery und Dimas Imam Subhono sorgt für Begeisterung und Trägt die Spannung von The Raid neben den Kämpfen maßgeblich mit. Es wird auf klare, ruhige Bilder, wenig Schnitte sowie kreative Kamerafahrten, welche Dynamik in das Geschehen bringen gesetzt. Zudem überzeugt Gareth Evans Film mit Center framing, wodurch sich die wichtigen Momente immer in der Mitte des Bildes befinden. Dadurch sowie durch eine plausible Szenengeographie ist jederzeit klar erkennbar, was in The Raid passiert. Und auch ohne wackelige, hektische Kamerafahrten mit vielen Schnitten kann der Film die Hektik und den Stress der Handlung vermitteln.

Fazit

The Raid ist auch 15 Jahre später eine Wucht und kann mit seiner herausragend inszenierten Action sowie dem Szenario in einem einzigen Haus, aus dem es zu entkommen gilt, begeistern. Gareth Evans Film gilt nicht nur für ostasiatische Action als Maßstab, sondern hat offensichtlich auch moderne gut durchchoreografierte Hollywoodaction inspiriert und kann mit seinem überschaubaren Budget von gerade mal 1,1 Mio Dollar ein Beispiel in Sachen Kosteneffizienz für ansehnliche Actionfilme sein. Wer Action liebt, kommt an The Raid nicht vorbei, welcher sich mit seiner Lauflänge von 101 Minuten auch nie zu lang anfühlt und angenehm runterschaut.

Vorheriger Spiders - Ihr Biss ist der Tod