John Wick

John Wick

25. April 2026 Hel Film

Wenn Heutzutage von Actionfilmen gesprochen wird, fällt neben Mission: Impossible der Name John Wick zwangsweise automatisch. Kaum ein anderes Franchise hat das Actionkino in Hollywood die letzten Jahre so sehr prägen können wie der gnadenlose Mörder, welcher seinen Hund rächt. Doch wie hat das Franchise angefangen und ist der erste Teil wirklich so gut, wie immer behauptet wird, oder lebt dieser als Mythos durch die nachfolgenden Filme?

John Wick (Keanu Reeves) trauert um seine kürzlich verstorbene Frau Helen (Bridget Moynahan), hat dank dieser aber noch die kleine Welpin Daisy, welche ihm Halt gibt. Doch die Freude hält nicht ewig, denn der Hund wird von Ganoven getötet, welche Johns geliebtes Auto stehlen wollen. Damit wecken diese jedoch eine Naturgewalt: denn John Wick war einst der beste Auftragsmörder der Branche. Als auch noch herauskommt, dass der Weg zu seinem ehemaligen Boss Viggo Tarasof (Michael Nyqvist) führt, reißen alle Stricke.

Der Bruch

Als John Wick 2014 erschien, war das wie ein Erdbeben in der westlichen Filmwelt. Zwar gab es Mission: Impossible und kurz nach Keanu Reeves Comeback erschien Mad Max: Fury Road, aber was Shootout-Action angeht, ist das Publikum aus Hollywood Filme wie Matt Damons Bourne-Reihe oder die Taken-Filme mit Liam Neeson gewohnt, welche durch ihre hektischen sowie zahlreichen Schnitte auffallen.

All das trifft aber auf John Wick nicht zu. Der Film ist knallhart, überzeugt mit einer ruhigen Kamera und so wenig Schnitten wie möglich. Statt Hollywoods gewohnten Schnittmassaker gibt es gezielte Choreographien, welche das Wort Actionballett salonfähig gemacht haben. Was heute wie eine fast schon ermüdende Selbstverständlichkeit wirkt, war vor John Wick in Amerikas Traumfabrik fast schon Neuland.

Der Film von Chad Stahelski und David Leitch überzeugt hierbei auch mit kreativen Spielerein, welche vorher nicht oft gesehen wurden. Besonders auffällig ist die Kombination von Kung-Fu mit Waffen, welche schnell unter dem Begriff Gun-Fu bekannt wurde. Fast schon hypnotisch kämpft sich Keanu Reeves, welcher diverse Kampftrainings bekam, durch die Wellen an Gegnern. Um den kreativen Weg zu behalten, wird an einer Stelle das Gun-Fu sogar noch mit einem Auto kombiniert sowie von der stimmigen Musik von Tyler Bates und Joel J. Richard untermalt.

John Wick vs. seine Nachfolger

Im Vergleich mit seinen Nachfolgern ist John Wick ein erfrischendes Erlebnis. So gut, wie die gesamte Reihe ist und John Wick: Kapitel 4 im brachial unterhaltsamen Actionfinale enden konnte, umso repetitiver konnten diese Filme wirken, was nicht zuletzt an den kugelsicheren Anzügen liegt, die wie Massenware verteilt wurden und zu viel einstecken lassen. In John Wick gab es diese neumodischen Gadgets nicht, weshalb Deckung und eine gute Verteidigung essentiell waren. Das Geschehen wirkte dadurch konsequenter.

Und auch, wenn das Franchise aufeinander aufbaut und die Welt von Film zu Film mehr Tiefe bekommt, fühlt sich die Story von John Wick am greifbarsten an. Das ist keine Kritik an den Nachfolgern. Aber der Verlust der Ehefrau, das gestohlene Auto, der tote Hund und die Freundschaft zu Willem Dafoes Charakter sind alle Teil dieses Films. Die Motivation und Wut von Jonathan sind noch frisch.

Hinzu kommt, dass John Wick wie der ähnlich alte Mad Max: Fury Road zu der Sorte Film gehört, die zur erneuten Sichtung einladen. Denn die Welt des Films wächst von Sichtung zu Sichtung mehr. Die Rezipienten verstehen die Regeln, den Mythos sowie das Konzept der weit verzweigten Unterwelt mit jedem Mal besser. Es wird sich in die Lore eingelernt und John Wick hat Hunger auf mehr gemacht.

Fazit

John Wick genießt zurecht den Ruf, den der Film hat und war eine Notwendigkeit, um Hollywood zu zeigen, dass gute Action nicht zwangsweise teuer sein muss. Wer diese Ballett-Schusswechsel liebt, wird hier glücklich werden. Doch so großartig John Wick ist, so schade ist es auch, was in Hollywoods Actionwelt nach dem Film passiert. Denn fast jeder Film will nun genauso aussehen, weshalb diese eigentlich mal brillant wirkende Action in Trailern neuer Filme wie Normal eher ermüdet, als erfreut.

Vorheriger Oldboy (2003)