Der Graf von Monte Christo (2025)

Der Graf von Monte Christo (2025)

28. April 2026 Hel Film

Die Geschichten von Alexandre Dumas wurden schon etliche Male verfilmt und gehören wahrscheinlich zu den am meisten umgesetzten Stoffen der Filmgeschichte. Gerade in Frankreich erfreuen sich seine Werke seit Jahren neuer Beliebtheit, was aufwendige Filmproduktionen und die Wiederbelebung der Mantel-und-Degen-Filme nach sich zog. Nach Die drei Musketiere -D’Artagnan und Die drei Musketiere – Milady kann sich das Publikum an Der Graf von Monte Christo von Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte erfreuen. Der Film ist die 19. Adaption des gleichnamigen Buches, welches über 900 Seiten umfasst, was die Lauflänge von 178 Minuten erklärt.

Im Mittelpunkt der Handlung von Der Graf von Monte Christo steht der aufstrebende Seefahrer Edmond Dantès (Pierre Niney), welcher seine Geliebte Mercédès Herrera (Anaïs Demoustier) heiraten will und dadurch in eine Verschwörung ausgelöst von seinem ehemals besten Freund Fernand de Morcef (Bastien Bouillon) – sowie Cousin und Liebhaber von Mercédès – Kapitän Danglars (Patrick Mille) sowie dem Prokurator Gérard de Villefort (Laurent Lafitte) getrieben wird. Ihm wird vorgeworfen, ein Bonapartist zu sein. Diese hat zur Folge, dass Edmond auf der Gefängnisinsel Château d’If gefangen gehalten wird.

Dort lernt Edmond in einem Fluchtversuch den letzten Tempelritter Abbé Faria (Pierfrancesco Favino) kennen, welcher Edmond unterrichtet und vom Templerschatz versteckt auf der Küsteninsel Monte Christo erzählt. Bei einem gemeinsamen Fluchtversuch stirbt Abbé Faria jedoch, weshalb Edmond alleine entkommt. Als dieser erfährt, dass er alles verloren hat, plant der Held geduldig seine Rache und wird mit dem Schatz der Templer im Rücken zum Grafen von Monte Christo.

Das Frankreich des 19. Jahrhunderts

Dank detaillierten Sets, verspielten Kostümen, einer glaubhaften Menge an Komparsen sowie dem Highlight von nachgebauten Schiffen wirkt Der Graf von Monte Christo lebendig greifbar und lässt das Publikum mit Leichtigkeit in die Welt des 19. Jahrhunderts eintauchen. Das Produktionsteam hat sich merkbar Gedanken gemacht, wie der Film glaubhafter als die Vorgänger aussehen kann.

Gerade, wenn bedacht wird, dass der Film „nur“ 42,9 Millionen Euro gekostet hat, ist diese optische Leistung beeindruckend. Da kann Hollywood mit den aufgeladenen Budgets nicht mithalten. Amerikas Traumfabrik hat das verlernt, was Frankreich und weitere europäische Produktionen abzuliefern vermögen: wunderschöne Blockbuster ohne massiv gesprengte Kosten. Und Förderfonds der Länder zählen hier nicht als Begründung. Denn von diesen Fonds profitiert Hollywood selbst.

Lang, aber keine Überlänge

Die Laufzeit von fast drei Stunden könnte einige Zuschauende abschrecken, doch Der Graf von Monte Christo fühlt sich zu keiner Sekunde zu lang an, was daran liegt, dass die Verfilmung nicht mehr viel mit Alexandre Dumas Vorlage gemein hat. Die Rahmenhandlung um den verratenen Edmond Dantès ist zwar identisch, aber der Film lässt diverse Stränge der Buchvorlage weg und dichtet sich im Tenor passende Elemente hinzu. Dies ist aber mehr Fluch als Segen, da das Buch deutlich langatmiger ist und in der Erzählweise abwechselnd schnell und langsamer erzählt ist.

Komm, wir schreiben Geschichte

Es gibt bereits diverse Verfilmungen von Der Graf von Monte Christo. Die Stummfilmversion von 1908 von Regisseur Francis Boggs hat sogar Geschichte geschrieben. In dieser wurde auf den ersten Stuntman der Filmgeschichte gesetzt. Dieser Stuntman (Name nicht bekannt) sprang damals für fünf Dollar über eine Klippe, damit die Flucht aus der Gefängnisinsel imposanter wirkte. Seitdem folgten 18 weitere Verfilmungen. Eine von diesen ist mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle, welcher sich mehrfach in Verfilmungen von Dumas Geschichten wiederfand.

Doch diese französische Version von Der Graf von Monte Christo ist wie schon Die drei Musketiere -D’Artagnan und Die drei Musketiere – Milady von Martin Bourboulon deutlich ernster als die bisherigen Verfilmungen, erlaubt sich wenig bis gar keinen Humor, wodurch Fans von Hollywood-Actionfilmen schmerzlich den Comic-Relief-Charakter vermissen werden.

Eine Maske, keine Maske

Das Schauspiel ist bemerkenswert und gerade Pierre Niney kann überzeugen. Dieser spielt nicht nur Edmond Dantès, sondern auch den namensgebenden Grafen von Monte Christo, einen Priester sowie weitere Charaktere. In Verbindung mit den Masken, die täuschend echt wie Gesichter wirken, blüht Pierre Nineys Schauspiel auf. Die Rollen sind facettenreich und tragen alle eine eigene Note, wodurch das Publikum ihn zwar erkennt, es aber dennoch realistisch dargestellt ist, dass die anderen Charaktere ihn in den verschiedenen Rollen nicht ausmachen können.

Aber auch die Antagonisten Der Graf von Monte Christo – Fernand de Morcef (Bastien Bouillon), Kapitän Danglars (Patrick Mille) sowie Gérard de Villefort (Laurent Lafitte) – wissen von sich zu überzeugen. Sie sind jederzeit eine echte Bedrohung und die Zuschauenden spüren, welch eine Macht und Gier von diesen ausgeht.

Fazit

Der Graf von Monte Christo weiß von sich zu überzeugen und kann mit Hollywood-Blockbustern locker mithalten. Der Film ist ein Gegenpol zu den teils humorüberladenen Vorgängerfilmen und aktuellen Werken aus Amerikas Traumfabrik. Die Ernsthaftigkeit, die ausgeladenen Sets, das Schauspiel und die Liebe zum Detail begeistern, wodurch zu hoffen ist, dass aus Frankreich noch weitere Romanverfilmungen französischer Klassiker kommen.

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