The Negotiator ist ein Thriller von Regisseur David Mackenzie und fokussiert sich auf den zurückgezogenen Ash (Riz Ahmed), welcher als Vermittler zwischen zwei Parteien – zumeist Whistleblowern und Unternehmen arbeitet – und dabei an einer Einigung für alle Seiten interessiert ist. Um seine Anonymität zu wahren, setzt dieser auf den Tri-State-Relay-Dienst (Ein Telefondienst für Menschen, welche taub oder stumm sind) als Kommunikationsdienst.
Doch als die Whistleblowerin Sarah (Lily James) die Dienste von Ash in Anspruch nehmen will, scheint sich seine Welt in eine ungeahnte Richtung zu wandeln. Nicht nur, dass Sahras Verfolger Dawson (Sam Worthington) auch dem Mittelsmann dicht auf den Fersen zu sein scheint, Ash weiß nicht mehr, wie er zu seiner Klientin steht und wie wichtig ihm seine Anonymität ist.
Ein Trend, der gerne verschwinden darf
Im englischen O-Ton heißt der Film Relay, was der deutlich passendere Name ist, da dieser direkt auf den Relay-Dienst verweist, welcher in The Negotiator als Kommunikationsmittel genutzt wird und ein prägendes Element der Handlung darstellt. Zwar passt The Negotiator – also der Unterhändler – zwar auch als Filmtitel und der Relay-Dienst wird unter dem deutschen Publikum nicht groß bekannt sein, aber dennoch wäre der Originaltitel treffender gewesen.
Generell ist in Deutschland ein Trend abzusehen, englischsprachigen Filmen einen neuen englischen Titel zu geben. Aus Den of Thieves wird dann schnell Criminal Squad, Novocaine erscheint als Mr. No Pain, Taken ist 96 Hours und das Highlight ist schon fast Captain America: The Winter Soldier, der als Return oft the First Avenger erschien. Vereinzelt soll dies an Lizenzen und Namensrechten liegen, aber es ist auch fraglich, ob die Studios bei Originaltiteln nicht um eine erfreuliche Vermarktung bangen. Letztlich nervt der Trend, wenn ein internationaler filmischer Austausch stattfindet.
Adrenalin (fast) ganz ohne Feuerwerk
The Negotiator schafft es seine Spannung fast ohne Actioneinlagen zu erzeugen und setzt stattdessen auf unterhaltsame Dialoge, Abläufe der analogen Kommunikation sowie die Darstellenden, von denen besonders Sam Worthington überrascht, welcher eher für seine durchschnittliche Rolle aus James Camerons Avatar bekannt ist. The Negotiator fühlt sich dadurch wie ein Schachspiel an, in dem jede Partei die Führende sein will.
Das Highlight der Charakterdarstellung sind jedoch Lily James und Riz Ahmed, welcher den meisten Zuschauenden als Pilot aus Rogue One: A Star Wars Story bekannt sein darf. Die Darstellenden holen mit ihrer Performance einiges aus The Negotiator heraus, was auch notwendig ist. Denn der Film ist mit seiner Lauflänge von 112 Minuten einen Ticken zu lang und für Fans von Thrillern zu vorhersehbar, weshalb Twists nicht ziehen können.
Aalglatt schön und eine ungünstige Wahl
Obwohl The Negotiator ein digitaler crispycleaner Film ohne Korn oder weitere analoge Merkmale ist, sieht dieser echt schön aus. David Mackenzies Film ist eine der wenigen Bewegtbildproduktionen, bei denen dieser Look passt und mit den Bildern von Giles Nuttgens von sich zu überzeugen weiß. Einzig in der deutschen Version sticht die Schriftart der Untertitel negativ heraus und ist vereinzelt schwer zu entziffern. Allein aus Gründen der Barrierefreiheit, ist diese Entscheidung mehr als nur unklar.
Fazit
David Mackenzies The Negotiator ist ein spannungsgeladener Thriller, welcher sich vom generischen Einheitsbrei der Actionthriller der letzten Jahre abzuheben weiß und selbst Schauspieler wie Sam Worthington, welche nicht für die größten Charakterrollen bekannt sind, treffend in Szene zu setzen weiß. Trotz seiner Macken, wie einer unnötig aufgezwungenen Liebesgeschichte, für Fans des Genre vorhersehbarer Twists und einer minimal zu langen Lauflänge macht The Negotiator dennoch spaß und ist eine klare Empfehlung für Fans von Thrillern, welche nicht in einer Ballerorgie ausarten.