Mein Leben, mein Ding wird in Deutschland von Filmwelt verliehen und erscheint am 18. Juni 2026 in den deutschen Kinos. Der Film ist das letzte Werk der Regisseurin Sophie Fillières, welche am 31. Juli 2023 verstorben ist. Nach ihrem Tod stellten ihre Kinder Adam und Agathe Bonitzer Mein Leben, mein Ding fertig und präsentierten den Film als Eröffnungsfilm in der Sektion Quinzaine des Réalisateurs in Cannes.
Mein Leben, mein Ding behandelt das Leben von Barberie Bichette (Agnès Jaoui), welche als gebrochene Frau in ihren Mittfünfzigern inszeniert wird. Sie weiß nicht wirklich, wer sie ist, oder wo sie hin will, sie lügt Freunde wie eine lange Telefonfreundschaft (Isabelle Candelier), aber auch ihre Kinder Rose (Angelina Woreth) und Julien (Édouard Sulpice) notorisch an, verschließt sich vor dem Therapeuten und ist immer weniger mit sich zufrieden.
Erlebnisse, wie in der U8
Barberie Bichette, welche gegen ihren Willen von ihrem Bekanntenkreis Barbie genannt wird, trifft im Verlaufe der Handlung von Mein Leben, mein Ding auf Menschen, mit denen es zu sonderbaren Begegnungen kommt, von denen der ein oder andere Fall den Zuschauenden bekannt vorkommen könnte. Genau diese Begegnungen sorgen dafür, dass Barbiere Bichette besser kennen gelernt werden kann. Während sie bei ihrem Therapeuten (Marc Strauss) herumdruckst und vieles entlockt werden muss, zeigt Barbiere hier mit ihrem Handeln ihre Persönlichkeit sowie ihr seelisches Leiden.

Das spricht jedoch nicht gegen die Gespräche zwischen Barbiere Bichette und ihrem Therapeuten sowie weiteren therapeutischen Fachpersonen. Die Dynamik in diesen Gesprächen wirkt in manchen Momenten von Mein Leben, mein Ding täuschend echt, was nicht zuletzt an der starken, Ruhe ausstrahlenden Stimme der Therapeuten sowie der Unsicherheit und der sichtbaren emotionalen Schwankungen von Agnès Jaouis Charakter liegt.
Eine feinfühlige Inszenierung
Die schauspielerische Leistung von Agnès Jaoui ist eine der großen Stärken von Mein Leben, mein Ding und hinterlässt in vereinzelten Momenten treffend realistisch. Sie verkörpert die Frau in den Mittfünfzigern sowie einer tiefen Identitätskrise, welche zu Depressionen und Suizidgedanken führt, treffend. Die vereinzelte Orientierungs- sowie regelmäßige Antriebslosigkeit oder das unberechenbare Springen von Emotionen in Sekundenschnelle sind nur ein paar der Punkte, die positiv realistisch auffallen.

Dadurch, dass Agnès Jaoui ihre Rolle so gut verkörpert, wirkt das angespannte Verhältnis zwischen ihren Kindern und ihr glaubhafter. Einigen Rezipienten wird das angespannt schwierige Verhältnis bekannt vorkommen, wobei sich sowohl in der ablehnend genervten Tochter, als auch in dem hoffnungsvoll optimistischen Sohn zugleich wiedergefunden werden kann. Es wirkt nicht wie ein Szenarion für ein Drehbuch konstruiert, sondern wie der Ausschnitt aus dem echten Leben echter Menschen, ja einer echten Familie.
Und dennoch…
Und dennoch hat Mein Leben, mein Ding ein paar Schwächen. Manche der Begegnungen wirken gerade aufgrund der Häufigkeit doch ein wenig zu konstruiert. Zudem wird eine richtige Konfliktsituation zwischen den Darstellenden vermieden, auch wenn dies eine realistische Darstellung echter zwischenmenschlicher Beziehung darstellt. Da diese Konflikte aber für eine Weiterentwicklung der Protagonistin essentiell sind, wirken manche Szenen träge und erscheinen zu lang.
Das muss erstmal nachgemacht werden
Die Kameraarbeit von Emmanuelle Collinot setzt auf ruhige, sowie zumeist nahe Aufnahmen, wodurch sich das Publikum wie eine stille beobachtende Person fühlt und damit der Handlung sowie den Charakteren näher sein kann. Es ist genau die Art von Perspektiven mit wenigen, ruhigen Schnitten, welche für einen Film wie Mein Leben, mein Ding benötigt wird.

Zudem ist es bemerkenswert, dass das französische Drama fast ohne eigenen Score und so gut wie keiner Musik auskommt. Es gibt immer wieder Filme, welche das bewusste Auslassen dieses Stilmittels wagen und damit kläglich scheitern. Doch Mein Leben, mein Ding gehört zu der Kategorie Film, für die es keine negative Eigenschaft ist und profitiert sogar von der Entscheidung. Denn das Aufzeigen von Depressionen wirkt ohne Musik, die auf die Tränendrüsen abzielt deutlich effizienter.
Fazit
Mein Leben, mein Ding geht respektvoll sowie feinfühlig mit dem Thema Depressionen und den damit verbundenen Nebenfolgen um und inszeniert dieses dank Agnès Jaoui ausdrucksstark und treffend. Das Publikum bekommt das Gefühl, mitten im Leben einer depressiven Frau zu stehen. Dennoch gibt es vereinzelte Momente, welche sich ein wenig zu konstruiert sowie zu träge anfühlen. Wer aber Fan von französischen Dramen oder Fan der Werke der verstorbenen Regisseurin Sophie Fillières ist, sollte definitiv einen Blick wagen.