Shelter
Shelter ist der neueste Film von Ric Roman Waugh, welcher für Filme wie Angel Has Fallen, Greenland und Kandahar bekannt ist, arbeitet aber diesmal nicht Gerard Butler, sondern dem britischen Schauspieler Jason Statham zusammen. Dieser verkörpert den ehemaligen Royal Marine Michael Mason, welcher mittlerweile zurückgezogen auf einer einsamen kleinen Insel mit seinem Hund in einem Leuchtturm wohnt. Nachschub erhält er wöchentlich von Jessie (Bodhi Rae Breathnach) und ihrem Onkel (Michael Shaeffer), welcher mit Mason gedient hat.
Als das Versorgungsboot eines Tages sinkt und ihr Onkel dabei verstirbt, wird Jessie von Michael Mason und seinem Hund aufgenommen. Da das Mädchen Antibiotika benötigt, ist Mason gezwungen, das Festland zu betreten. Dort wird er von einer Handykamera erfasst und das THEA-System – eine KI-gestützte Überwachungssoftware der britischen Regierung – schlägt sofort Alarm und identifiziert Mason fälschlicherweise als von Interpol gesuchten Terroristen. Als der MI6 ein Strike-Team zur Eliminierung los schickt, handelt Mason blitzschnell und will Jessie in Sicherheit bringen.
Die erhoffte Veränderung
Auch wenn es sich bei Shelter um einen typischer Jason-Statham-Actionfilm handelt und der britische Actionstar selbstredend mal wieder ein ehemaliger Spezialagent ist, kann der Film dennoch von sich überzeugen. Gerade im Vergleich zu Stathams letzten Werken wie dem Guilty Pleasure The Beekeeper oder David Ayers Pro-Maga-Gurke A Working Man, in der nicht mal ersichtlich war, dass Jason Statham Talent für Actionfilme hat, ist Shelter deutlich besonnener und weiß, sich angenehmer zu inszenieren.
Shelter denkt wieder bodenständiger, konzentriert sich nur auf Groß Britannien als Ort der Handlung und schafft es dennoch, von Regierungen eingesetzte KI-gestützte Totalüberwachung anzuprangern. Denn der Film zeigt, dass dieses Tool selbst in den Händen der vermeintlich guten Institutionen schnell missbraucht und mit Absicht manipuliert werden kann. Damit ist der Film in seiner Gesellschaftskritik deutlich präziser und angenehmer, als seine Genrekollegen der letzten Jahre, welche ebenfalls aus den USA kommen.
Nicht nur die Action überrascht
Und auch, wenn Shelter erfrischend wirkt, wagt der Film letztlich wenig bis keine Experimente. Es werden die bodenständigen Tropes gezogen, welche Fans des Actiongenre vermissen, die Story wurde zig male so erzählt und Jason Statham wirkt wie eine gut gealterte Version seiner Klassiker wie The Transporter, Crank oder The Italian Job – Jagd auf Millionen. Dass Shelter jetzt so erfrischend wirkt, liegt mit daran, dass Jason Statham sich vorher in Projekten von David Ayer oder wie einem Operation Fortune von Guy Ritchie ausprobiert hat, während Hollywood anspruchsvolle Action fast nur von den John Wick-Machern oder nach deren Vorlage bieten konnte.
Doch so vorhersehbar die Performance von Jason Statham ist, umso mehr kann Bodhi Rae Breathnach in ihrer Rolle als Jessie, welche von Statham beschützt wird, überzeugen. Sie ist dabei keine Damsel in Distress, sondern ein echter Charakter mit Entwicklung und wird mit Fortlaufen der Handlung immer selbstbewusster. Gerade, wenn bedacht wird, dass es sich bei Shelter um ihr Spielfilmdebüt handelt, ist sie der Star des Films und ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Genrevertretern und ein Grund für eine erneute Sichtung.
Mit Bill Nighy, Naomie Ackie und Tom Wu bietet Shelter zwar bekannte und mit Bryan Vigier aufstrebende Darstellende, aber deren Leistung ist nicht herausragend bemerkenswert. Sie spielen ihre Rollen grundsolide, erfüllen ihren Zweck, bleiben aber nicht lange in Erinnerung. Es ist eine 0815-Standardkost im Actiongenre, mit der sich Fans aber gerade unter Beachtung der positiven Punkte zufrieden geben können.
Fazit
Shelter mag zwar mit seiner Story kein Highlight sein, aber für das Actiongenre mit Fokus auf einen Mix aus Schusswaffen und Nahkampf bietet der Film erfrischend neuen, aber dennoch altbekannten Wind sowie eine schöne Abwechslung zu den Actionfilmen von Chad Stahelski und David Leitch. Es ist einfach schön, Jason Statham nach Flops wie A Working Man wieder in voller Stärke zu sehen und allein das Spielfilmdebüt von Bodhi Rae Breathnach spricht neben der ansehnlich, bodenständigen Action für eine Sichtung von Shelter.