Spider-Man: Brand New Day

Spider-Man: Brand New Day

31. Juli 2026 Hel Film

Spider-Man: Brand New Day ist der neueste Film im MCU und der mittlerweile vierte Spider-Man-Film mit Tom Holland in der Rolle als Peter Parker. Regie führt aber nicht mehr Jon Watts, der die drei Vorgänger bereits inszenierte, sondern der Regisseur Destin Daniel Cretton, welcher unter anderem Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings, zwei Folgen der Marvel-Serie Wonder Man sowie das Justizdrama Just Mercy mit Michael B. Jordan inszenierte. Nachdem Spider-Man: No Way Home groß und überladen war, will man nun in Spider-Man: Brand New Day wieder an die kleinen Kartoffeln für die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft, was mir Hoffnung auf mehr Persönlichkeit gemacht hat.

Spider-Man ist so beliebt, wie noch nie zuvor. Er hat die gefährlichsten Verbrecher der Stadt – darunter Scorpion (Michael Mando) – dingfest gemacht, arbeitet mit der Polizei und insbesondere Detective Jean DeWolff (Liza Colón-Zayas) eng zusammen, bekam den Ehrenschlüssel der Stadt und freundet sich immer mehr mit Frank Castle aka dem Punisher (Jon Bernthal) an. Doch als Peter Parker sieht sein Leben einsamer aus. Sein ehemals bester Freund Ned (Jacob Batalon) und Partnerin MJ (Zendaya) erinnern sich nicht mehr an ihn. New Yorks neue Bedrohung macht ihn persönlich zu schaffen und eine Mutation von Peter Parkers Genen scheint selbst mit Dr. Banners (Mark Ruffalo) Hilfe alles auf den Kopf zu stellen.

Damit hätte ich nicht gerechnet

Spider-Man: Brand New Day ist für einen Spidey-Film im MCU überraschend düster. Während die von Jon Watts inszenierten Vorgänger dank Überbelichtung, hellen künstlich wirkenden Farben und einem aalglatt gelecktem Bild optisch wenig bis kaum Persönlichkeit besaßen, geht Destin Daniel Crettons Interpretation einen eigenen Weg, der vereinzelt an das Bild von Thunderbolts* erinnert. Das Bild ist dunkler, an manchen Stellen sogar beängstigend, Farben wirken satter und das Bild konsequenter, seelenvoller, wodurch man sich an die Bilder erinnern wird.

Und auch das CGI von Spider-Man: Brand New Day wirkt deutlich besser und greifbarer als viele seiner Kollegen aus dem MCU. Es ist nicht mehr überladen und der Film ist selbstbewusst genug, um auf den gräulichen Filter, der CGI kaschieren soll, zu verzichten. Dadurch fühlen sich selbst Szenen, in denen nicht viel geschieht, nicht überladen an. Und da der Film bei den visuellen Effekten seinen eigenen Style, welcher an Comicbooks erinnert, hat, stören auch nicht die Momente, in denen die Effekte erkennbar sind. Nicht nur das, in zehn Jahren, wo „real“ wirkendes CGI mittlerweile outdated ist, kann Spider-Man: Brand New Day optisch dennoch wirken.

Filmszene aus Spider-Man: Brand New Day, in der der Schurke Scorpion (Michael Mando) in einem schwarzen Tech-Anzug einen schwer bewaffneten Soldaten der Regierungsbehörde Damage Control mit einer Hand in die Luft hebt. Im Vordergrund windet sich Scorpions mechanischer Stachelschwanz nach oben, während im Hintergrund eine nächtliche, rötlich beleuchtete Kulisse zu sehen ist.
© 2026 Sony Pictures Digital Productions Inc. / Marvel Studios

Peter als Haudrauf?

Wenn Spider-Man durch die Häuserschluchten von New York schwingt, sieht das fantastisch aus und wirkt deutlich dynamischer, als seine Vorgänger. Dabei spielt es keine Rolle, ob das wirklich realistisch ist, die Fortbewegung ist für die Welt, in der der Film spielt plausibel genug. Hier kann Spider-Man: Brand New Day begeistern, ist ein voller Augenschmaus und schafft Bilder, an die sich als eins der Highlights des Films erinnert wird.

Selbst die Action kann sich sehen lassen. Zwar erreicht diese nicht die Standards von einem The Furious, John Wick oder gar The Raid und Mad Max: Fury Road, aber Spider-Man: Brand New Day bietet auch keine generische Action von der Hollywood-Stange und kann damit mit Thunderbolts* und Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings zeigen, dass Marvel nicht nur Einheitsbrei, sondern auch liebevolle Kämpfe bieten kann. Die Action hat nicht zuletzt dank Jon Bernthal als Punisher Charakter und Raffinesse. Charaktere werden so inszeniert, wie sie es verdient haben.

Weitwinkel-Filmszene über den Dächern von New York, in der Spider-Man in der Luft über einer Gruppe von sechs rot gekleideten Ninja-Kämpfern der „Hand“ schwebt. Die Ninjas springen mit gezogenen Schwertern dynamisch von einem Hausdach ab, während im Hintergrund die dichte Skyline von Manhattan unter einem bewölkten Himmel zu sehen ist.
© 2026 Sony Pictures Digital Productions Inc. / Marvel Studios

Spidey ist erwachsen geworden

Spider-Man: Brand New Day bietet mit Zendaya, Mark Ruffalo, Sadie Sink, Jacob Batalon, Tramell Tillman einen grundsoliden Cast, der von sich überzeugen kann. Videospielfans freuen sich zudem über Michael Mandos Rolle. In manchen Szenen erinnert sein Schauspiel deutlich an den Wahnsinn von Vaas aus Far Cry 3. Besonders von sich überzeugen kann jedoch Tom Holland, der bereits in Christopher Nolans Die Odyssee begeistern konnte, aber im vierten Spider-Man-Film nochmal besser und reifer wirkt. Die Trauer, die Verluste, die Wut sowie die Erschöpfung all der Vorgänger zeichnen sich im Schauspiel des Briten ab. Diese Reife sorgt zudem für ein Wachstum sowie charakterliche Weiterentwicklung, mit der zwar kein Oscar gewonnen wird, die dennoch von sich überzeugen kann und Spaß macht.

Doch das Highlight sind Tom Holland und Jon Bernthal als das Duo Spider-Man und Punisher. Spider-Man: Brand New Day weiß es perfekt, das Gespann in Szene zu setzen und das Beste aus den beiden Darstellenden herauszuholen. Wenn Spidey Frank Castle vom Fluchen abhält, oder beide sich einem schier unbezwingbaren Gegner stellen müssen, kommt es zu Lachern und Momenten, in denen mitgefiebert wird, während weitere Szenen mit dem Duo die Dramatik befeuern. Fans würden gern mehr von den Beiden sehen.

Actionreiche Filmszene in einem zerstörten Innenraum, in der The Punisher (Jon Bernthal) im Vordergrund in taktischer, schwarzer Kleidung ein Sturmgewehr abfeuert, aus dessen Lauf ein helles Mündungsfeuer bricht. Links hinter ihm läuft Spider-Man im klassisch rot-blauen Kostüm in geduckter Haltung durch den rauchigen Raum.
© 2026 Sony Pictures Digital Productions Inc. / Marvel Studios

Kleine Kartoffel, große Kartoffel

Spider-Man: Brand New Day fühlt sich auch deshalb so erfrischend an, da die Handlung nicht aufgeblasen ist. Es geht nicht um die Rettung von Welten oder intergalaktische Konflikte, sondern einfach um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft, die Probleme in New York löst. Doch das Auftreten von Florence Pugh als Yelena ist hier das Aber. Sie macht zwar wie gewohnt Spaß, erinnert aber dennoch daran, dass der erfrischende Ausflug in Spider-Man: Brand New Day dennoch nur ein Zahnrädchen im riesigen Uhrwerk MCU ist. Selbst hier wird es eine potentielle Vorbereitung auf große Nachfolgerprojekte geben.

Auch, wenn dies ein ärgerliches Manko ist, fällt dieses zum Glück nicht zu sehr ins Gewicht und die Bedrohung, welche von jedem außer Spider-Man Besitz ergreifen kann, wird stimmig inszeniert. Doch auch hier gibt es das typische MCU-Problem, das die Beweggründe der Antagonisten verständlich und nachvollziehbar darstellt, aber sie dennoch dämonisieren will. Spider-Man: Brand New Day geht damit zwar geschickter um, doch die Kritik am System ist blass und der Film bleibt durch Spideys Zusammenarbeit mit dem NYPD sowie einer unterbewussten Signalisierung, dass das System selbst funktioniere und nur einzelne sich verselbstständigte Bereiche böse handeln, linientreue Copaganda. Der „Trau der Regiereung“ Aspekt ist die größte Fiktion des Films.

Filmszene im strömenden Regen, in der Spider-Man in seinem klassisch rot-blauen Kostüm von links kommend William Metzger (gespielt von Tramell Tillman) im Profil die Hand schüttelt. Der bärtige Mann trägt ein nasses weißes Hemd, eine graue Weste und eine passende Hose. Im unscharfen Hintergrund stehen zwei schwer bewaffnete Polizisten in taktischer Ausrüstung hinter einer Absperrung.
© 2026 Sony Pictures Digital Productions Inc. / Marvel Studios

Fazit

Spider-Man: Brand New Day bietet unerwartet starke Unterhaltung, einen deutlich reiferen Spider-Man und Tom Holland überzeugt so stark wie noch nie und geht gerade in Zusammenarbeit mit Jon Bernthal richtig auf. Der Film fühlt sich persönlicher und charakterstärker an und kann trotz der Kritik des riesigen MCU im Hintergrund oder der blinden Systemtreue überzeugen und beweist, dass man nicht müde von Superheldenfilmen, sondern von schlechten Superheldenfilmen ist. Doch Spider-Man: Brand New Day zeigt eine Perspektive gegen diese Müdigkeit auf.

Vorheriger Die Odyssee (2026)