The End of Oak Street ist der neueste Abenteuerfilm von Regisseur David Robert Mitchell, der für Filme wie It Follows bekannt ist. Im Film verkörpern Anne Hathaway, Maisy Stella, Ewan McGregor und Christian Convery eine Familie in den 80er-Jahren, die kurz vor der unweigerlichen Trennung zu stehen scheint. Doch all diese Probleme wirken minimal, als plötzlich Beben und Lichtblitze die Nachbarschaft heimsuchen und dafür sorgen, dass sich die Familie samt Nachbarn plötzlich in der Welt der Dinos wiederfinden. Ein Kampf um das bittere Überleben entfacht.
Schau mal Universal
The End of Oak Street zeigt, wie die Jurassic-World-Reihe und besonders Jurassic World: Ein neues Zeitalter sowie Jurassic World: Die Wiedergeburt hätten sein sollen. Es geht nicht um große Firmen, die sich auf die Fahne schreiben, die Welt zu verbessern und Dinos auf fernen, von der Menschheit abgeschotteten Inseln jage. Vielmehr steht eine Familie mit ihrer Nachbarschaft im Mittelpunkt einer unerwarteten Dinoinvasion. Schnell stellt sich heraus, dass das eigene Handeln Konsequenzen bis zum Tod hat und man in seinen Mittvierzigern mit Alkoholproblemen nicht der Alphapredator ist.
Zudem ist The End of Oak Street trotz seiner FSK 12 Freigabe überraschend blutig und ungewohnt, aber gern gesehen explizit. Vorbei ist der Dino-Kuschelzirkus. Hier zeigt sich der Horror der hochpräzisen Kreaturen, die sich gerne anschleichen, über die fliehenden Menschen herfallen und Gliedmaßen verspeisen. Damit der Film dennoch für die ganze Familie bleibt, erlaubt sich The End of Oak Street zwischen den gruseligen Passagen, die mehr aus Spannungsaufbau, als aus Jumpscares bestehen, immer wieder humorvolle Momente, sowie eine kleine Prise Comic-Relief in Ewan McGregors Charakter.
Dadurch, dank wunderschöner Kamerafahrten und Bilder von Mike Gioulakis, die das Geschehen sowie den Suspense stimmig einfangen und dank dem perfekt begleitenden Score von Michael Giacchino, der auch für die Jurassic-World-Trilogie die Musik komponiert hat, kommt echtes Dinofeeling mit leichten Jurassic-Park-Verweisen in The End of Oak Street auf. Es ist die Art Dino-Abenteuer, die Fans vermissen und an Steven Spielbergs Meisterstücke erinnert. Denn David Robert Mitchells Film kann die gewohnte Spielberg-Magie vielmehr als der Film Disclosure Day vom Kultregisseur entfachen.
Der Teufel wartet auf Odysseus
The End of Oak Street schafft es zudem die Familie samt Nachbarschaft im 80er-Jahre-Setting glaubhaft darzustellen. Zwischenmenschliche Beziehungen wirken echt, Freundschaften real und die Chemie zwischen der Familie wirkt ehrlich dysfunktional und nicht wie ein einfaches Mittel zum Zweck. Zudem hat der Raum zeit für glaubhafte queere Elemente, wobei diese so beiläufig geschehen, dass es für das Publikum auch keine Rolle spielt, wenn diese nicht vorkommen. Ein einzelner weiterer Satz zwischen den Charakteren hätte hier der Darstellung bereits geholfen.
Das Schauspiel aller Darstellenden ist jederzeit überzeugend und besonders Ewan McGregor macht als Vaterrolle in seiner Dynamik mit Christian Convery besonders viel Spaß. Doch das Highlight ist Anne Hathaway, die in diesem Jahr bereits in Der Teufel trägt Prada 2 und Nolans Die Odyssee (2026) überzeugen konnte. Sie stiehlt ihren Kollegen und immer wieder sogar den Dinos die Show. Es macht einfach Spaß, dieser Frau bei der Arbeit zuzusehen und es ist auf mehr Filme mit ihr zu hoffen.
Die Konsequenz des eigenen Handelns
Auch wenn das Budget von The End of Oak Street geschätzt bei 85 Millionen Dollar liegt und damit in Hollywood mittlerweile eher eine mittelkleine Summe ist, kann der Film mit einem Mix aus praktischen- sowie computergenerierten Effekten überzeugen, die größtenteils ansehnlich sind und sogar begeistern können. Gerade die Darstellung der 80er fühlt sich glaubhaft realistisch an. Dennoch gibt es ein paar vereinzelte Momente, in denen die CGI-Effekte erkennbar hässlich aussehen. Dabei handelt es sich meist um Effekte, die im Hintergrund stattfinden, unschön ist es dennoch.
Zudem sticht das Ende im krassen Kontrast zur restlichen Handlung von The End of Oak Street heraus. Die Folgen der eigenen Handlung wollen hier nicht mehr ganz so konsequent wirken, wodurch das Ende leicht konstruiert hanebüchen wirkt. Doch wenn ein Auge zugedrückt und bedacht wird, dass es sich um eine Hollywoodproduktion handelt und diese fast fetischhaft einen Zwang zum Happy End haben, ist der Kritikpunkt letztlich nur minimal.
Fazit
The End of Oak Street ist überraschend angenehm erfrischend und beweist wie schon Spider-Man: Brand New Day für Superhelden, dass es keine Dinomüdigkeit, sondern eine Müdigkeit von schlechten Dinofilmen wie Jurassic World: Die Wiedergeburt gibt. Wer konsequente Abenteuerfilme mit sympathischen Cast und treffender musikalischer Untermalung vermisst, kommt an The End of Oak Street nicht vorbei. Es ist schön zu sehen, dass das Kinojahr 2026 so viele starke Filme quer durch alle Genre und finanziellen Größen zu bieten hat.