Digger

Digger

5. Oktober 2026 Hel Film

Digger ist eine Komödie von katastrophalem Ausmaß, wurde von Alejandro G. Iñárritu (21 Gramm, Biutiful, The Revenant – Der Rückkehrer) inszeniert und läuft seit dem 01. Oktober 2026 in den deutschen Kinos.  Warner Bros. hat Alejandro G. Iñárritu ein Budget von 125 mio. Dollar zur Verfügung gestellt und kreative Freiheiten gewährt. Deshalb und weil der Film Tom Cruise abseits seiner Actionrollen aus Filmen wie Top Gun: Maverick, Edge of Tomorrow oder Mission: Impossible – Fallout präsentiert, war ich voller Vorfreude auf Digger, hatte dementsprechend aber auch hohe Erwartungen.

Digger Rockwell (Tom Cruise) gilt als der mächtigste Mann der Welt und wird von US-Präsident Compson (John Goodman) dazu gezwungen, eine schier unlösbare Aufgabe zu bewältigen. Die Konsequenz ist nichts anderes als der Untergang der Welt, wie wir sie heute kennen. Voller Tatendrang, um vor allem seinen Ruf sowie seinen Reichtum zu retten, beauftragt Digger den Sicherheitsexperten Ganesh (Riz Ahmed) mit dieser Aufgabe und weitet seinen Einfluss auf den Vizepräsidenten (Michael Stuhlbarg) sowie die US-Regierung immer weiter aus.

Wie ein Sperrfeuer

Digger beginnt vielversprechend und gerade die erste halbe Stunde des Films sorgt für herzhaft ehrliche Lacher und eine treffende Kritik auf Politik und die herrschende Klasse, die Katastrophen bequem aus sicherer Entfernung verwaltet und dabei mehr auf Sachschäden sowie den Schutz der eigenen Gewinne, als an Menschenleben interessiert ist. Doch mit Fortlaufen der Handlung wird der Humor immer mehr zu Klamauk. Zudem beginnt Digger zu viele Metaebenen, Kritikpunkte und Ideen, die dann aber nicht zu Ende geführt werden, wodurch sich der Film überladen überfordernd anfühlen kann und das Publikum sich in manchen Momenten schier erdrückt fühlt.

Zudem öffnet Digger ab einen gewissen Moment einen doppelten Boden, der solide von den Darstellenden getragen wird, jedoch nicht wirklich notwendig ist und von den Rezipienten unbedingt gemocht werden muss. Andererseits wird man sonst aus dem Sehgefühl komplett herausgerissen und schafft es auch nicht mehr, sich auf die Handlung und kreativen Ideen von Alejandro G. Iñárritu einzulassen, da jederzeit damit gerechnet wird, dass ein nächster Moment, ein nächster doppelter Boden dafür sorgt, dass man aus der Handlung hinausgerissen wird. Dadurch fühlt sich der Film trotz seiner durchschnittlichen Länge von 129 Minuten zu lang und ironischerweise in manchen Momenten zu abgehetzt an.

Tom, bitte mehr davon

Tom Cruise spielt Digger Rockwell brillant und überzeugt mit seiner Rolle so sehr, wie er es wahrscheinlich seit Tropic Thunder nicht mehr tat und hebt sich damit von seiner starken, aber repetitiven Action-Odyssee ab. Und gerade, weil Tom Cruise wegen seinem Kontrollwahn an Filmsets sowie seinem Wirken für Scientology regelmäßig in der Kritik steht, ist er für diese bissige Komödie die Beste, aber vielleicht auch einzig konsequente Wahl für die Hauptfigur Digger Rockwell. Und auch, wenn seine Maskerade, für die es sechs Stunden gebraucht hat, gut aussieht, ist es fraglich, ob diese für einen 64 jährigen Mann notwendig ist, auch wenn Tom wie viele weitere Menschen in Hollywood in einem ungesunden Krieg mit dem eigenen alternden Körper steht.

Das Problem von Digger ist jedoch, dass die anderen Darstellenden wie Riz Ahmed, John Goodman, Michael Stuhlbarg und Robert John Burke zu sehr overacten. Das senile Grinsen und permanente durcheinandergerufe ist eine zu übertriebene Karikatur auf eine Welt, die bereits schon wie eine Karikatur wirkt. Selbst Emma D’Arcy und gerade eine Sandra Hüller, die gerade in Vaterland überzeugen kann, wirken eindimensional blass, können nicht wie gewohnt glänzen und gehen in der Masse von Digger unter. Der einzige Lichtblick ist Jesse Plemons, der wie schon in Civil War und eigentlich jedem Film, in dem er mitspielt, für einen Moment allen Darstellenden die Show stiehlt und die Blicke des Publikums auf sich zieht.

So macht man das Kevin Feige!

Digger kann optisch dank einer raffiniert kreativen Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki (Children of Men, Gravity, The Revenant – Der Rückkehrer) sowie einem analogen Dreh auf VistaVision voll überzeugen. Gerade das analoge Bild lässt die Farben, die kreativ verspielten Sets sowie die Kostüme fast schon nostalgisch ansehnlich wirken und sorgt durch notwendig durchdachte Beleuchtung für ansehnliche Effekte sowie ein hübsch ausgeleuchtetes Bild, von dem sich gerade die überbeleuchteten, graublassen Marvel-Filme eine ordentliche Scheibe abschneiden können.

Musikalisch will Digger eher unkonventionell mit einem Score von Cosmo Sheldrake auffallen und kann gerade in der ersten halben Stunde kreativ durch seine radikal andere Art begeistern. Doch das Lob wird von der musikalischen Begleitung der weiteren 99 Minuten überschattet. In diesen ist der Score von Digger unauffällig blass, schafft keine Höhen oder Tiefen, vermag es nicht, die Szenen zu untermalen und bleibt auch weiterhin nicht wirklich in Erinnerung.

Fazit

Zugegeben, meine Erwartungen an Digger waren hoffnungsvoll hoch, was aber auch an den Namen Tom Cruise, Sandra Hüller sowie Alejandro G. Iñárritu lag. Zumindest, was den amerikanischen Scientologen angeht wurden die Hoffnungen erfüllt und er ist definitiv das Highlight des Films. Doch abseits davon will Digger zu viel sein, übertreibt mit eigentlich guten Ideen, lässt den erst guten Humor zu Klamauk verkommen und bietet doppelte Böden, die wirken können, es bei meiner Begleitung und mir aber nicht taten. Für mich die traurigste Enttäuschung des Jahres, aber wer Tom Cruise abseits seiner gewohnten Actionfilme sehen will und über eine Kinoflatrate verfügt, kann dennoch eine Sichtung wagen.

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