Hope ist ein südkoreanischer Actionfilm mit Horrorelementen sowie weiteren Genrespielereien und wurde von Na Hong-jin (The Yellow Sea, The Wailing: Die Besessenen) geschrieben und gedreht. Der Film feierte auf dem Filmfest in Cannes 2026 internationale Premiere, wurde in Deutschland auf dem Fantasyfilmfest im September 2026 vor dem offiziellen Kinostart am 08. Oktober 2026 gezeigt und ist ab 16 Jahren freigegeben. Hope soll circa 46 Millionen Dollar gekostet haben und ist damit der bisher teuerste südkoreanische Film. Doch sorgt das Geld dafür, dass der Film südkoreanische Kollegen wie Oldboy (2003) oder Die Frau im Nebel übertreffen kann?
Am Rande der abgelegenen Hafenstadt Hope nahe der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea häufen sich Vorfälle, in denen Tiere auf mysteriöse Weise getötet werden und übernatürlich große Klauen als Beweisspuren zurück bleiben. Die Polizei beginnt mit Hilfe bewaffneter Bewohner mit den Ermittlungen und der Suche nach der Kreatur an verschiedenen Orten. Doch als die Kreatur die Hafenstadt angreift, entwickelt sich die Katastrophe in eine von Todesopfern gezeichnete Tragödie.
Radikal anders
Hope stürzt sich direkt ins Geschehen, ohne dabei gleich zu offenbaren, worum es geht. Dadurch entsteht gerade in der ersten Stunde der Handlung ein geladener Spannungsbogen, der offen, wohin die Reise hingeht und Momente der Bedrohung wie Steven Spielbergs Der weiße Hai andeutet. Diese Spannung wird durch den actiongeladenen zerstörerischen zweiten Akt, der im positiven Sinne wie ein Best Of der Katastrophenfilme wirkt, verstärkt. Gleichzeitig spielt Hope bewusst mit dem Publikum und erlaubt sich Humor, der die Handlung auf eine realistisch angenehme Weise auflockert.
Der Regisseur Na Hong-jin greift mit Hope schier absichtlich gezielt die Sehgewohnheiten der Rezipienten an. Selbst, wenn diese bereits an die andere Erzählweise des koreanischen Kinos gewöhnt sind und wird damit auf eine ähnliche, aber nicht so populäre Weise wie Diggerspalten. Kamerafahrten werden bis in die letzte Länge ausgereizt und überstrapaziert, Dialoge sowie gewisse Actionelemente werden bewusst wiederholt, während Hope dies selbstbewusst kommentiert und manche Storyentwicklungen verwirren zuerst.
Dadurch kann sich Hope mit seiner Lauflänge von 160 Minuten deutlich zu lang anfühlen. Böse Zungen, oder Menschen, die sich nicht an die aggressive Attacke auf die eigene Sehgewohnheiten gewöhnen können, würden behaupten, dass in dem Film eine, wenn nicht sogar eineinhalb Stunden heruntergekürzt werden könnte. Aber ohne diese teils merkbare Überlänge wäre Hope nicht der Film, der mit seiner Art bewusst provozieren will, wodurch die Länge Fluch und Segen zugleich ist.
Das positive Overacten
Die Charaktere von Hope sind überzeichnet, vereinzelt sogar klischeebeladene Loser und besonders der Polizist Beom Seok (Hwang Jung-min) sowie der Jäger Sung Ki (Zo In-sung) vermitteln das Gefühl der Plotarmor. Dennoch machen die Charaktere nicht nur für das Genre Spaß und werden von den Darstellenden treffend gespielt. Die beiden bereits genannten Darsteller treiben die parallel laufenden Handlungsstränge stark voran und werden von Eum Moon-suk als Yang Bae sowie Lee Sang-hee als Ahn Nak-yeon glaubwürdig ergänzt. Doch das strahlende Highlight von Hope ist Hoyeon als die Polizistin Sung Ae und hat von Sekunde eins eine Ausstrahlung, die fesselnd begeistert.
Die Dialoge von Hope sind teils crazy, durchzogen von Humor und erinnern dabei an die Dialoge von Resident Evil (2026). Die Dialoge des südkoreanischen Katastrophenfilms fühlen sich aber trotz teils repetitiver Elemente ausgefeilter als die von Zach Creggers Horrorfilm an. Und gerade durch diese schier leichte, humorvolle Art passen die Dialoge treffend zu Hope, da der Film keine aalglatten Helden und Supersoldaten, sondern die normale Bevölkerung einer Kleinstadt zeigt. Das macht die übertrieben spaßig verrückte Reise greifbar.
Mitten im Geschehen
Hope präsentiert wunderschöne Bilder von Hong Kyung-pyo, die gerade in der ersten Stunde immer wieder ein leichtes Westernfeeling verspüren lassen. Zeitgleich sind viele der Kamerafahrten, Bildübergänge und Schnitte besonders für das Katastrophengenre kreativ und sorgen mit dafür, dass sich die überspannten, ausgereizten Szenen nicht mehr so schlimm anfühlen. Gerade im Katastrophen- sowie Actionfilm braucht es mehr dieser Kameraarbeiten, die mit ihrer ruhigen Art das Gefühl vermitteln, dass das Publikum Teil des Geschehens ist.
Optisch profitiert Hope stark von seinen praktischen Effekten, den Kostümen, der Maske und den weitläufigen Sets. Abgefeuerte Schusswaffen, Rauch, zerstörte Kulissen und ganze Straßenstriche sowie die Charaktere sehen greifbar realistisch, ja fast schon täuschend echt aus. Auffallend sind hier jedoch die computergenerierten Effekte, die abseits der paar Moneyshots mit Fortlaufen des Films nachlassen und gerade im dritten Akt uncanny wirken können. Doch da das Budget sichtlich in die Masse der praktischen Effekte geflossen ist, können die erkennbaren Effekte verziehen werden. Gerade, da diese immer noch besser, als das vermehrt unterirdische MCU-CGI wie in Captain America: Brave New World überzeugen können.
Ach schade
Hope gehört wie Digger zu der Art Filmen, die sich schwer vermarkten lassen. Doch wo der Film mit Tom Cruise als Ölmagnat im Marketing zu wenig verraten hat, offenbart der südkoreanische Actionfilm in seiner Trailerkampagne zu viel und dekonstruiert die mystische Entwicklung des eigenen Films. Hier empfiehlt es, auf Trailer zu verzichten. Denn je weniger im Vorfeld von der Story bekannt ist, desto mehr kann sich Hope entfalten. Deshalb heißt es hier ausnahmsweise Ansehen auf eigene Gefahr: Trailer zu Hope.
Fazit
Hope kann zwar Filmen wie Oldboy (2003), Parasite oder Die Frau im Nebel nicht das Wasser reichen, weiß aber dennoch das Publikum zu unterhalten fordert dieses, indem der Film gezielt Sehgewohnheiten angreift und sieht abseits der auffallenden, aber sparsamen CGI Effekte bildhübsch aus. Hope ist zudem ein Film, über den auch noch Tage später nachgedacht wird und der sich noch nach der Sichtung weiter entfalten sowie begeistern kann. Eine Sichtung und vielleicht sogar eine Zweitsichtung lohnen sich besonders auf der großen Leinwand. Und auch, wenn die deutsche Synchronfassung gerade im Vergleich zu Park Chan-Wooks No Other Choice überzeugen kann, empfiehlt sich eine Sichtung in Originalfassung.